Autismus Formen

Die Autismus-Spektrums-Störung, wie Autismus korrekt heißt, ist eine Entwicklungsstörung, die sich unter anderem aus verschiedenen Formen zusammensetzt. Genaugenommen gibt es drei wesentliche Autismus-Typen:

  • Frühkindlicher Autismus
  • Asperger-Syndrom
  • Atypischer Autismus

Außerdem gehe ich kurz auf die nicht näher bezeichneten tiefgreifenden Entwicklungsstörungen ein und warum diese Diagnose seltener werden wird.

Was ist die Autismus-Spektrum-Störung?

Laut dem neuen Diagnosehandbuch ICD-11 ist der offizielle Begriff Autismus-Spektrums-Störung (ASS). Diese Bezeichnung fasst alle Typen zusammen. Die Ausprägung wird nach Beeinträchtigung und Schweregrad unterschieden und kann sehr genau durch Angabe zusätzlicher Beeinträchtigungen eingeteilt und beschrieben werden.

ASS bezeichnet eine andauernde, mangelnde Fähigkeit, wechselseitige Kommunikation und soziales Miteinander zu haben. Es zeigen sich verschiedene starre und wiederholende Verhaltensweisen oder Interessen, die nicht dem Alter und der Kultur entsprechen. Genaue Diagnosekriterien finden Sie bei Interesse ganz unten im Text.

Was gibt es für Arten von Autismus?

Nach den älteren Diagnosehandbüchern (bis 2021) gab es die Einteilung in verschiedene Typen, die großteils auch heute noch verwendet werden. Im Wesentlichen unterscheidet man drei Formen:

Frühkindlicher Autismus

Der Beginn ist eindeutig vor dem dritten Lebensjahr zu erkennen. Meist schon in den ersten beiden Lebensjahren.

Diese Beeinträchtigungen können sich beim Spielen, der Entwicklung des Sprechens und im sozialen Miteinander zeigen. Es zeigen sich größtenteils sich wiederholende, eingefahrene Verhaltensweisen und sehr eingeschränkte, spezifische Interessen. Wobei am deutlichsten die Verzögerung des Sprechens zu erkennen ist. In manchen Fällen kommt es auch zu einem Verlust bereits erlernter Sprachelemente.

Um die Diagnose zu stellen, müssen zahlreiche Kriterien erfüllt (siehe ganz unten) und andere tiefgreifende Entwicklungsstörungen ausgeschlossen werden.

Asperger-Syndrom

Menschen mit Asperger-Syndrom zeigen meist keine oder nur eine sehr geringe Entwicklungsverzögerung bei der Sprachentwicklung. Auffällig ist auch eine durchschnittliche oder sogar überdurchschnittliche Intelligenz.

Hier sind eher die sozialen Fähigkeiten eingeschränkt. Betroffene können nicht so gut mit anderen in Beziehung treten. Es fällt ihnen schwer, Kontakt zu anderen aufzunehmen, es fällt ihnen schwer, ein Gespräch zu führen, und Emotionen und Absichten anderer richtig einzuschätzen. Es lassen sich oftmals auch Einschränkungen in der Bewegung beobachten.

Häufig haben Menschen mit Asperger bestimmte Spezialinteressen. Diesen gehen sie mit größter Leidenschaft nach und sie nehmen einen großen Raum im Leben ein. Ein Abweichen davon fällt schwer.

Generell sind Menschen mit Asperger nicht sehr flexibel. Sie benötigen Sicherheit und eingewöhnte, sichere Abläufe. Auch Abweichungen von Ansichten und die Übernahme von anderen Blickwinkeln ist oft schwierig.

Atypischer Autismus

Der Atypische Autismus ähnelt dem frühkindlichen Autismus. Der Beginn liegt allerdings nach dem 3. Lebensjahr oder die notwendigen Diagnosekriterien für Autismus werden nicht erfüllt.

Wie der Name schon sagt, haben Menschen mit der atypischen Form unter Umständen nicht die „nötigen klassischen“ Merkmale wie Menschen mit frühkindlichem Autismus. Sozusagen fehlen manche Symptome für eine Diagnose, aber das Gesamtbild erscheint autistisch.

Häufig wird diese Diagnose gestellt, wenn Menschen mit schwerer geistiger Beeinträchtigung Merkmale aus dem autistischen Spektrum zeigen.

Nicht näher bezeichnete tiefgreifende Entwicklungsstörung

Diese Kategorie gehört, wie der Autismus, zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Ist es allerdings nicht möglich, genaue und zuverlässige Daten zu erheben oder liegen widersprüchliche Befunde vor, wird oftmals diese Diagnose gestellt.

Auch, wenn nicht alle Kriterien der anderen tiefgreifenden Entwicklungsstörungen erfüllt werden, kann diese Diagnose gestellt werden. In den neuen Diagnosehandbüchern sind die Einteilungen jedoch schon anders, teilweise offener gefasst, sodass diese Kategorie wesentlich seltener vorkommen wird.

Was ist die häufigste Form von Autismus?

Die Ursachen und die Häufigkeiten habe ich auch gesondert in diesem Beitrag zusammengefasst.

Hier dennoch ein Überblick über die Verteilung:

FormenBetroffene pro 1000 Personen
Andere tiefgreifende Entwicklungsstörungen3,3 Menschen aus 1000
Asperger 1 - 3 Menschen aus 1000
Frühkindlicher Autismus1,3 - 2,2 Menschen aus 1000
Alle Autismusspektrumsstörungen gesamt6 - 7 Menschen aus 1000
Häufigkeit Autismus

Was sind leicht autistische Züge?

Leicht autistische Züge bezeichnet ein Verhalten, das in den Kriterien für Autismus aufscheint, allerdings nur sehr schwach ausgeprägt ist und die zahlreichen Kriterien für eine klinische Diagnose bei Weitem nicht erfüllen kann. Es sind meist nur einzelne oder wenige Verhaltensweisen oder Interessen, die das Leben unter Umständen beeinträchtigen, aber dennoch durch andere Bereiche wieder ausgeglichen werden können.

Mehrheitlich zeigen Menschen mit leicht autistischen Zügen Schwierigkeiten im sozialen Bereich, können schwer Blickkontakt herstellen oder vermeiden ihn, können Mimik und Gestik nicht oder nur schwer deuten. Die Intelligenz ist jedoch völlig normal oder auch überdurchschnittlich. Wir sprechen hier vom hochfunktionalen Bereich des Autismusspektrum.

Diagnosekriterien für Autismus-Spektrums-Störung nach dem Diagnosehandbuch ICD 11

Hier habe ich noch aus dem Diagnosehandbuch ICD 11 alle Diagnosekriterien für die Autismusspektrumsstörung zusammengefasst.

  • Anhaltende Defizite bei der Anbahnung und Aufrechterhaltung sozialer Kommunikation und reziproker sozialer Interaktionen, die außerhalb des für das Alter und den intellektuellen Entwicklungsstand der Person typischen Funktionsbereichs liegen. Die spezifischen Ausprägungen dieser Defizite variieren je nach chronologischem Alter, verbalen und intellektuellen Fähigkeiten und dem Schweregrad der Störung. Zu den Manifestationen können Einschränkungen in den folgenden Bereichen gehören:
    • Verständnis von, Interesse an oder unangemessene Reaktionen auf verbale oder nonverbale soziale Kommunikation anderer.
    • Integration der gesprochenen Sprache mit typischen ergänzenden nonverbalen Hinweisen, wie Augenkontakt, Gestik, Mimik und Körpersprache. Diese nonverbalen Verhaltensweisen können auch in ihrer Häufigkeit oder Intensität reduziert sein.
    • Verständnis und Verwendung von Sprache in sozialen Kontexten und die Fähigkeit, wechselseitige soziale Gespräche zu initiieren und aufrechtzuerhalten.
    • Soziales Bewusstsein, das zu einem Verhalten führt, das nicht angemessen an den sozialen Kontext angepasst ist.
    • Fähigkeit, sich die Gefühle, emotionalen Zustände und Haltungen anderer vorzustellen und darauf zu reagieren.
    • Gegenseitiges Teilen von Interessen.
    • Fähigkeit, typische Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen und aufrechtzuerhalten.
  • Anhaltend eingeschränkte, sich wiederholende und unflexible Verhaltensmuster, Interessen oder Aktivitäten, die für das Alter und den soziokulturellen Kontext der Person eindeutig untypisch oder übertrieben sind. Dazu können gehören:
    Mangelnde Anpassungsfähigkeit an neue Erfahrungen und Umstände und damit verbundener Leidensdruck, der durch triviale Veränderungen in der vertrauten Umgebung oder als Reaktion auf unerwartete Ereignisse hervorgerufen werden kann.
  • Unflexibles Festhalten an bestimmten Routinen; diese können z. B. geografisch bedingt sein, wie das Befolgen vertrauter Wege, oder sie können ein genaues Timing erfordern, wie Essenszeiten oder Transport.
  • Übermäßiges Festhalten an Regeln (z. B. beim Spielen).
  • Übermäßige und anhaltende ritualisierte Verhaltensmuster (z. B. die Beschäftigung mit dem Aufreihen oder Sortieren von Gegenständen auf eine bestimmte Weise), die keinem offensichtlichen äußeren Zweck dienen.
  • Sich wiederholende und stereotype motorische Bewegungen, wie Ganzkörperbewegungen (z. B. Schaukeln), atypischer Gang (z. B. auf Zehenspitzen gehen), ungewöhnliche Hand- oder Fingerbewegungen und Körperhaltung. Diese Verhaltensweisen treten besonders häufig in der frühen Kindheit auf.
  • Anhaltende Beschäftigung mit einem oder mehreren speziellen Interessen, Teilen von Gegenständen oder bestimmten Arten von Reizen (einschließlich Medien) oder eine ungewöhnlich starke Bindung an bestimmte Gegenstände (mit Ausnahme typischer Tröster).
  • Lebenslange exzessive und anhaltende Über- oder Unterempfindlichkeit gegenüber sensorischen Reizen oder ungewöhnliches Interesse an einem sensorischen Reiz, zu dem tatsächliche oder erwartete Geräusche, Licht, Texturen (insbesondere Kleidung und Nahrungsmittel), Gerüche und Geschmäcker, Hitze, Kälte oder Schmerzen gehören können.
  • Der Beginn der Störung liegt in der Entwicklungsphase, typischerweise in der frühen Kindheit, aber die charakteristischen Symptome treten möglicherweise erst später in vollem Umfang auf, wenn die sozialen Anforderungen die begrenzten Fähigkeiten übersteigen.
  • Die Symptome führen zu erheblichen Beeinträchtigungen in persönlichen, familiären, sozialen, schulischen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen. Manche Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung sind in der Lage, durch außergewöhnliche Anstrengungen in vielen Bereichen angemessen zu funktionieren, sodass ihre Defizite für andere möglicherweise nicht erkennbar sind. Die Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung ist auch in solchen Fällen angemessen.

Mag. Ines Wurbs

Ines Wurbs ist Psychologin und Mutter zweier Kinder. Ihre Leidenschaft konnte sie zum Beruf machen und stellt ihre mehr als 15-jährigen Erfahrung mit Kindern und Familien auf Familienpsychologin.eu zur Verfügung.

Ihr psychologischer Ratgeber in Familien- und Beziehungssachen.
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