Kindern den Umgang mit Neid vermitteln und sozial stärken

Neid ist eine Emotion, die bei uns sogar als Sünde gilt. Wir Eltern wollen meist nicht, dass unsere Kinder neidisch sind. Aber dennoch, Neid ist manchmal da und wir sollten unseren Kindern lernen, richtig damit umzugehen.

Wir helfen unseren Kindern, mit Neid richtig umzugehen, indem wir:

  • Ihnen erklären, was Neid ist
  • Wie er sich anfühlt
  • Woher Neid kommt und
  • wie sie Neid für sich nutzen können

Wie äußert sich Neid bei Kindern?

Zunächst ist es notwendig, Neid bei unseren Kindern zu erkennen. Das ist nicht immer so leicht, weil Neid meist nicht so ein starker, explosionsartiger Gefühlsausbruch ist, wie Freude oder Zorn. Je nach Alter des Kindes gibt es auch spezielle Umgangsweisen mit Neid, darum habe ich die Altersgruppen unten aufgegliedert.

Neid bei Kleinkindern und Kindergartenkindern

Kleinkinder und Kindergartenkinder wissen meist noch gar nicht, was Neid ist und wie es sich anfühlt. Aber dennoch sind auch sie manchmal neidisch. Sie können es oft nur noch nicht zuordnen und ausdrücken. Am häufigsten sehen wir Neid in diesem Alter durch Handlungen, das heißt, sie nehmen anderen Kindern etwas weg. Oder wir hören den bekannten Satz: „Das will ich auch haben!“

In diesem Alter handelt es sich hauptsächlich noch um Objektneid, also um Spielzeug oder Dinge, die ein anderes Kind hat. Diese Form von Neid ist konkreter und lässt sich leichter von unseren Kindern erkennen. Sie sehen etwas, was sie toll finden und was Spaß macht. Das wollen sie dann natürlich auch haben. Auch, wenn sie genaugenommen den beobachteten Spaß oder die Anerkennung wollen. Aber diese zweite Form von Neid, die sich auf Nicht-Materielles bezieht, ist für unsere Kinder kaum zu erkennen und besonders für Kleinkindern noch nicht greifbar. Es ist viel zu abstrakt, deswegen drückt sich der Neid einfach in den materiellen Dingen aus. Also, durch das Wegnehmen und dergleichen.

Neid bei Schulkindern und Teenagern

Mit zunehmenden Alter wird auch die Spannweite für Neid größer. Unsere Kinder sind weniger ich-zentriert und bekommen so auch Ungleichheiten mit. Einerseits natürlich bei materiellen Gütern, aber andererseits auch bei Anerkennung, Lob, Talent.

Neid auf nicht materielle Dinge ist für uns Eltern viel schwieriger zu erklären und auch für unsere Kinder viel schwieriger zu verstehen. Er beruht meist auf einer wahrgenommenen, individuellen Ungleichheit durch Talent, Alter, zwischenmenschlicher Beziehung oder anderen sozialen Komponenten.

Konkrete Merkmale, wie das Alter oder die Erfahrung, können einen großen Unterschied im Umgang mit unseren Kindern machen. Auch, wenn wir als Eltern versuchen, unsere Kinder gleichzubehandeln, werden Geschwister doch auch immer das Gefühl haben, nicht gleich behandelt zu werden. Das ist praktisch auch gar nicht anders möglich, weil nicht einmal Geschwister komplett gleiche Voraussetzungen für ein und dieselbe Situation haben.

Ab dem Volksschulalter wissen Kinder über Neid und seinen schlechten Ruf Bescheid. Daher ist es recht häufig, dass sie ihren Neid lange zu verstecken versuchen und niemanden davon erzählen.

Neid äußert sich dann meisten im Abwerten des anderen, in Streitigkeiten oder darin, dass sie der Person, auf die sie neidisch sind, aus dem Weg gehen.

Welche Bedürfnisse stecken hinter Neid?

Die Bedürfnisse hinter Neid können im Prinzip alle Grundbedürfnisse sein. Am häufigsten ist jedoch die Spitze der Bedürfnispyramide betroffen, Freunde, Spaß, Möglichkeit zu lernen/ sich weiterzubilden, Selbstständigkeit und Autonomie.

Obwohl es Grundbedürfnisse sind, sind nicht immer alle diese Bedürfnisse zufriedenstellend gefüllt. Das fällt uns und unseren Kindern oftmals erst dann auf, wenn sie sehen, wie es bei anderen ist. Genauer gesagt, dass es bei anderen „besser“ ist. Und hier sind wir auch schon bei der Ursache des Neides.

Achtung
Neid ≠ Eifersucht
Eifersucht braucht eine dritte Person.

Hier finden Sie Tipps und Informationen rund um Eifersucht bei Kindern. (Inklusive Eifersucht unter Geschwistern)

Was ist der Grund für Neid?

Im Grunde wird Neid aus einem Defizitempfinden geboren. Wir erkennen, dass andere etwas haben, was wir wollen und nicht haben. Das ist bei Kindern nicht anders.

Besonders, wenn unsere Kinder die Hintergründe nicht verstehen: „Warum hat der das und ich nicht?“, wird diese Tatsache schnell als ungerecht empfunden. Das erzeugt einen inneren Widerstand, genauer gesagt Frust, Wut oder auch Traurigkeit.

Kindern bis zu 8 Jahren fehlt auch noch die Perspektive des anderen. Sie können Situationen nur aus ihrer Sichtweise sehen. Daher sind Empathie und Mitgefühl noch auf recht wackeligen Beinen im gesamten Volksschulalter und natürlich davor. Die eignen Bedürfnisse stehen im Vordergrund und die Hintergründe und Vorgeschichte des anderen Kindes, der das hat, was unser Kind will, können noch nicht berücksichtigt werden.

Aber, wir können unseren Kindern helfen, soziale Fertigkeiten gut zu entwickeln und sie in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken. So gelingt es ihnen leichter, mit Neid und auch anderen Emotionen umzugehen und einerseits sozial zu handeln, aber auch andererseits Regeln und Verantwortung zu erlernen.

Ihr Kind will alles für sich haben und nimmt anderen das Spielzeug weg?

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Den richtigen Umgang mit Neid müssen sich Kinder erst erarbeiten. Neid entwickelt sich frühstens ab 18 Monaten. Es gibt auch einige Theorien, die der Meinung sind, dass höhere Denkoperationen dazu notwendig seien und daher Neid erst ab dem Vorschulalter auftritt.

Auf jeden Fall ist es nicht selten für uns Eltern zu beobachten, dass unser Kind einem anderen was wegnimmt oder auch genau das haben will. Hier liegen die ersten Ansätze im Umgang mit Neid. Um Ihrem Kind einen gesunden Umgang mit Neid zu vermitteln, sollten Sie:

  • Zuerst Ihr Kind in der Situation beruhigen.
  • Dann Ihrem Kind erklären, was gerade passiert ist und
  • die vermutlichen Gefühle erklären (natürlich am besten altersgerecht)
  • Erklären Sie, warum das andere Kind das Spielzeug jetzt hat und Ihr Kind nicht haben kann.
  • Erklären Sie auch den Unterschied „meines“ oder „deines“, „seines“/ „ihres“ oder auch „unseres“.
  • Ab einem Alter von ungefähr drei Jahren können Sie auch herborgen oder ausborgen besprechen, wenn es zur Situation passt.
  • Auch Teilen können Sie mit Ihrem Kind besprechen. Aber nicht mit Zwang und Druck einfordern. (Besprechen, wann es gut ist zu teilen, und wann es okay ist nicht zu teilen.)
  • Versuchen Sie Ihr Kind darin zu unterstützen, mit den eigenen Gefühlen in der Situation umzugehen, ohne jemand anderen zu schaden.
  • Sie können auch Ihrem Kind erklären, warum es das begehrte Objekt nicht haben kann oder
  • erklären Sie, welche Schritte Ihr Kind unternehmen muss, um das gleiche zu erreichen. Am besten, Sie stecken gemeinsam Ziele fest.
  • Nutzt alles nichts, beenden Sie die Situation und holen Sie Ihr Kind aus der Situation raus.
  • Nachbesprechen ist im beruhigten Zustand aber immer wichtig.

Zum Erklären und Besprechen für zwischendurch sind Bücher nützlich. Nicht in einer aufgewühlten Situation. Aber zu Hause in Ruhe und wenn genug Zeit ist, können Sie mit Ihrem Kind auch Begebenheiten besprechen, in denen es neidisch war oder in denen es zu einer Auseinandersetzung gekommen ist. Sie können das an einem konkreten Beispiel oder auch ohne besprechen. Hier habe ich einige Buchempfehlungen zum Thema für Sie:

Achtung
Kinder brauchen Erfolge, um motiviert bei der Sache zu bleiben. Daher ist es ratsam, mehrere kleine Ziele zu setzen, statt ein großes, weit entferntes.

Fazit

Ja, Neid ist eine negative Emotion. Aber dennoch ist sie da und wir sollten unsere Kinder nicht damit allein lassen. Neid geht nicht weg, nur weil wir sagen: „Du brauchst doch nicht neidisch sein“.

Natürlich hilft es, wenn wir unseren Kindern ein gutes Vorbild sind und mit ihnen offen und ehrlich darüber reden. Aber es ist genauso wichtig, unseren Kindern anfänglich in solchen Situationen beizustehen und ihnen zu helfen, ihre Gefühle richtig einzuordnen und zu verarbeiten. So werden unsere Kinder gestärkt und entwickeln eine gute Selbstwahrnehmung und Selbstkonzept.

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