Eifersucht bei Kindern erkennen und bekämpfen

Nicht nur wir Erwachsene sind von Eifersucht betroffen, sondern auch unsere Kinder. Sobald wir etwas lieben, können sich auch Sorgen und Ängste entwickeln, das zu verlieren. Die Angst, es nimmt uns jemand etwas weg. Und nichts anderes ist das bei unseren Kindern. Aber wir können ihnen helfen, indem wir:

  • Mit unseren Kindern üben, Eifersucht richtig zu erkennen
  • Unseren Kindern die Gefühle erklären
  • Ihnen mit gutem Beispiel vorangehen
  • Offen und ehrlich mit unseren Gefühlen umgehen
  • Ihre Sorgen ernst nehmen und respektieren
  • Ihren Selbstwert stärken
  • Ihr Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit erfüllen
  • Ihnen richtiges Teilen lernen und
  • ihre Individualität berücksichtigen.

Für Umgang mit Eifersucht und Vertrauen finden bei Erwachsenen springen Sie doch bitte zu diesem Beitrag. Im Folgenden geht es um Kinder und deren Eifersucht auf andere:

Wann entwickeln Kinder Eifersucht?

Kinder entwickeln Eifersucht, wenn sie das Gefühl haben, dass jemand anderer Liebe, Lob, Anerkennung oder Aufmerksamkeit bekommt und sie selbst nicht oder zumindest weniger. Eifersucht entsteht also erst dann, wenn noch eine dritte Person hinzukommt.

Eifersucht ist also auch das Gefühl, selbst nicht das zu haben, was wer anderer hat und drück sich daher auch in Gefühlen der Missgunst aus. Mehr dazu weiter unten.

In einer US-amerikanischen Studie konnte gezeigt werden, dass bereits 4- 7 Monate alte Kinder eifersüchtig reagieren, wenn ihre Mutter eine Puppe umsorgt. Am intensivsten zeigten Kinder ihre Eifersucht zwischen 1 und 2 Jahren und rund um 3,5 Jahre.

Eifersucht ist also eine Emotion, die schon recht früh in der Entwicklung zum Vorschein kommt. Es ist eine basale Emotion, die uns als Baby und Kind das Überleben sicher soll.

Wie zeigen Kinder Eifersucht?

Eifersucht wird je nach Temperament und Art des Kindes von unterschiedlichen, meist starken Gefühlen begleitet. Am häufigsten zeigt sich Eifersucht in Wut, Ärger, Frust, Neid oder auch Angst wider.

Kinder reagieren also auch mit diesen Gefühlen. Häufig für uns Erwachsene überraschend und ohne Zusammenhang. Je kleiner die Kinder, desto unmittelbarer zeigen sie ihre Eifersucht. Ältere Kinder können ihre Gefühle allerdings schon besser kontrollieren. Übersteigen die Gefühle aber dann ein gewisses Level, kommen ihre diese explosionsartig zum Vorschein. Das lässt uns Eltern dann mehrheitlich ratlos dastehen, da wir uns den Gefühlsausbruch nicht erklären können.

Auch die bekannten Trotzanfälle von Kindergartenkindern können ihren Ursprung in Eifersucht haben.

Manchmal scheint ein Ereignis für sich allein genommen nicht sehr emotionsgeladen. Allerdings können sich kleinere Begebenheiten mit negativen Gefühlen summieren. Die einzelnen frustrierenden Ereignisse bringen dann das Fass zum Überlaufen.

Bei manchen Kindern zeigt sich die Eifersucht in kleinen Fragen zwischendurch, die dann vorrangig die dritte Person betreffen. Sie dienen zur Absicherung oder Rückversicherung der Liebe, Anerkennung oder Aufmerksamkeit. Wo wir gleich beim nächsten Symptom von Eifersucht wären. Das Ringen um Aufmerksamkeit ist auch ein typisches Anzeichen. Wenngleich Eifersucht natürlich nicht die einzige Erklärung für dieses Verhalten ist.

Auch eine besondere Anhänglichkeit kann die Folge von Eifersucht sein. Häufige Kuscheleinheit, ständiges Aufsuchen von Nähe und nicht von der Seite weichen, dienen bei Eifersucht der Rückversicherung von Liebe.

Auch Feindseligkeit und abwertendes Verhalten gegenüber uns oder dem Auslöser können Eifersucht anzeigen. Dieses Verhalten dient vordergründig dem Selbstschutz, um sich selbst besser zu fühlen und aufzuwerten und somit den Selbstwert zu stärken.

Unterschied zwischen Neid und Eifersucht
Neid bezeichnet das Gefühl, wenn wir jemanden einen Besitz oder Erfolg nicht gönnen.
Eifersucht ist die Angst, um den Entzug von Liebe, Anerkennung, Lob oder Aufmerksamkeit einer wichtigen Person durch eine Dritte.

Eifersucht unter Geschwistern

Eifersucht und Geschwister sind wohl ein Problem bei den meisten Familien mit mehreren Kindern. Eifersucht unter Geschwistern ist bis zu einem gewissen Grad natürlich, auch wenn uns Eltern das unser Leben unnötig schwer macht.

Eifersucht unter Geschwistern tritt häufig nicht sofort nach der Geburt auf, sondern erst, wenn das Geschwisterchen mobil wird und sich dann noch zusätzlich am Spielzeug zu schaffen macht.

Eifersucht unter Geschwistern heiß nicht, dass ein Kind tatsächlich vernachlässigt wird oder gar eine unsichere Bindung hat. Die Eifersucht ist eine Form der Rivalität unter Geschwistern, die darauf beruht, dass es eigentlich unmöglich ist, Geschwister komplett gleichzubehandeln. Auch, wenn wir uns dahin gehend bemühen, können wir eine absolute Gleichbehandlung nicht gewährleisten. Zu unterschiedlich sind auch Geschwister und auch zu unterschiedlich der Entwicklungsstand, allein aufgrund des Alters.

Kinder unter acht Jahren können den Standpunkt anderer noch nicht übernehmen. Und auch später fällt dies schwer, wenn die Situation stark mit Gefühlen beladen ist. Dadurch wird vieles als ungerecht empfunden und die Eifersucht lässt somit nicht auf sich warten. Natürlich ist das bei Geschwistern häufiger der Fall, weil sie viel Gelegenheit haben sich zu vergleichen und durch die Nähe im Alltag sehr viel voneinander mitbekommen. Mehr als das bei anderen Kindern der Fall ist. Zusätzlich handelt es sich auch noch um Personen größter Wichtigkeit, die das Objekt „der Begierde“ und somit der Eifersucht darstellen, nämlich um uns Eltern oder enge Verwandte und wichtige Bezugspersonen.

Eifersucht von Kindern auf den Partner

Kinder können auch auf den Partner eines Elternteils eifersüchtig sein. Das ist überwiegend natürlich der Fall, wenn Mama oder Papa getrennt sind und sie einen neuen Partner haben. Mehr zu dieser Thematik finden Sie in diesem Beitrag.

In diesem Fall ist es besonders wichtig, den neuen Partner langsam und mit viel Geduld und Zeit am Leben des Kindes teilhaben zu lassen. Sorgen und Ängste sollten angesprochen und die Rolle des neuen Partners besprochen werden. Bei Eifersucht geht es auch um die Sorge, nicht genug Liebe und Anerkennung zu bekommen. Sie können dies ruhig mit Ihrem Kind besprechen und auch vorweggreifen. Aber auf Details zum Umgang mit Eifersucht kommen wir gleich noch zu sprechen.

Eifersucht auf andere Kinder

Natürlich können unsere Kinder ebenso auf andere Kinder eifersüchtig sein. Eifersucht entsteht, wie ich oben schon geschrieben habe, durch eine andere Person und aus der Sorge heraus, selbst nicht genug Liebe, Anerkennung oder auch Aufmerksamkeit von jemandem zu bekommen. Oder dass diese wichtige Person sich sogar ganz abwendet.

Das kann nicht nur Bezugspersonen treffen, sondern natürlich auch andere Kinder, vorwiegend Freunde. Wenn die beste Freundin oder der beste Freund plötzlich mit jemand anderen spielt, kann das zur Eifersucht führen.

Allerdings auch, wenn Mama oder Papa sich plötzlich mit einem anderen Kind beschäftigen. Davon sind oft Einzelkinder betroffen, aber nicht nur. Auch Geschwisterkinder können hier eifersüchtig sein, weil das Kind von außerhalb der Familie ist.

10 Tipps gegen Eifersucht bei Kindern

Nun kommen wir zum Wesentlichen: Wie sollen wir mit Eifersucht bei Kindern umgehen?

  1. Nehmen Sie Ihr Kind ernst
    Kommt Ihr Kind zu Ihnen und erzählt Ihnen von seinen Gedanken und Gefühlen, ist es wichtig, das Anliegen ernst zu nehmen. Auch, wenn es sich um nicht so schöne Gefühle wie Eifersucht handelt.
  2. Besprechen Sie die Eifersucht und die dazugehörigen Gefühle
    Auch, wenn Sie die Eifersucht nur vermuten, lohnt es sich über das Beobachtete zu sprechen. Besprechen Sie die zusammenhängenden Gefühle und fragen Sie nach Ursachen. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass Ihnen Ihr Kind keine Antwort darauf geben kann. Versuchen Sie einfach Ihre Sichtweise darzustellen, ohne anzuklagen. Es ist wichtig, dass Ihr Kind versteht, was in ihm/ihr vorgeht.
  3. Erklären Sie, dass Eifersucht etwas Normales ist
    Ihr Kind soll sich nicht schämen, dass es ein Gefühl hat. Vielleicht erzählen Sie von einer Situation, in der Sie einmal eifersüchtig waren oder jemand anders.
  4. Passenden Umgang vermittel
    Suchen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind nach Wegen und Lösungen, mit der Eifersucht umzugehen. Ermutigen Sie es, die Eifersucht anzusprechen und dadurch sich aus den Sorgen und Ängsten zu lösen.
  5. Versuchen Sie, die individuellen Besonderheiten hervorzuheben
    Soziale Vergleiche fördern eher die Eifersucht. Besser ist es, unsere Kinder für das zu loben, was Sie können und ihnen Unterstützung anzubieten, wo sie es brauchen, ohne Vergleiche zu anderen zu ziehen.
  6. Selbstbewusstsein stärken
    Selbstbewusste Kinder sind nicht so schnell eifersüchtig. Stärken Sie also das Selbstbewusstsein Ihres Kindes, um Eifersucht vorzubeugen und auch zu lindern. Hier erfahren Sie wie.
  7. Anerkennung, Liebe und Geborgenheit
    Dieses wichtige Grundbedürfnis sollten wir natürlich immer gut füllen. Manchmal geht Kuschelzeit oder auch Anerkennung für Geleistetes im stressigen Alltag unter. Nehmen Sie sich gezielt vor, darauf zu achten und stärken Sie so Ihr Kind.
  8. Exklusivzeit
    Besonders, wenn die Eifersucht den Partner betrifft oder auch ein anderes Kind, kann Exklusivzeit Abhilfe schaffen. Es stärkt die Bindung und das Wir-Gefühl und schafft schöne Momente, die nur Sie und Ihr Kind teilen. Es ist etwas Besonders und eben Exklusives. Bei Geschwisterkindern ist es natürlich wichtig darauf zu achten, dass diese Exklusivzeit dann beide haben.
  9. Üben Sie gezielt Teilen, lassen Sie aber auch jeden sein eigenes Gut
    Eifersucht wir meist durch Neid auch noch befeuert. Daher ist es wichtig, mit Ihrem Kind das Teilen zu üben. Aber auch, was und wann geteilt werden kann oder soll. Nicht alles muss immer geteilt werden. Frühzeitiges Üben unterstützt die soziale Entwicklung Ihres Kindes.
  10. Gemeinsamkeiten hervorheben
    Manchmal hilft es auch, wenn Sie Ihr Kind auf die Gemeinsamkeiten zwischen Ihrem Kind und der Person, auf die es eifersüchtig ist, hervorheben. Das erleichtert Ihrem Kind, eine gemeinsame Basis herzustellen und eventuell eine Bindung zur dritten Person aufzubauen. Nach dem Motto: Gemeinsames verbindet. Es soll aber auch helfen den Selbstwert aufzubauen, nicht der andere ist besser, sondern wir haben viel gemeinsam. Hier ist es wichtig, darauf zu achten, den Selbstwert des Kindes zu heben, aber keinen sozialen Vergleich daraus zu machen. Abwertung sollte hier auf jeden Fall vermieden werden.

Resümee

Eifersucht ist etwas, was wir unseren Kindern ersparen wollen. Dennoch liegt das nicht im Bereich des Möglichen. Aber wir können ihnen dabei helfen, so damit umzugehen, dass sie gut damit zurechtkommen und im Idealfall gestärkt daraus hervorgehen. Der Selbstwert hat natürlich einen wesentlichen Einfluss auf die Resilienz. Diese wiederum beeinflusst unter anderem den Umgang mit Eifersucht. Sind unsere Kinder gestärkt, werden sie mit unserer Hilfe daher auch gut mit Eifersucht umgehen können.

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