Wie kann ich wieder Vertrauen?

Um wieder vertrauen zu können, müssen Sie zunächst in die Phase gelangen, in der Vertrauen für Sie wieder möglich ist. Dann können Sie beginnen, mit Ihrem Partner oder Freund(in) gemeinsam das Geschehene aufzuarbeiten und so eine neue Beziehung entstehen zu lassen.

Nachfolgend finden Sie einige Tipps, wie das gelingen kann.

Volles Vertrauen ist die Grundlage einer guten Beziehung

Eine gute und beständige Beziehung baut auf gegenseitigem Vertrauen auf. Wird dieses Vertrauen ge- oder zerstört, gerät die Beziehung ins Wanken oder kann zerbrechen. 

Laut einer Studie von 2017, in der 3.000 Teilnehmer zwischen 18 und 65 Jahren befragt wurden, ist ein Vertrauensbruch der Beziehungskiller Nummer 1. 

Infografik Beziehungskiller
Infografik: Die Beziehungskiller der Deutschen | Statista

Vertrauen ist die Basis einer guten Beziehung und baut auf einer Grundlage aus Vernunft, Routinen und Erfahrungen auf. Diese Grundlagen wurden bei einem Forschungsprojekt am Max-Planck- Institut für Gesellschaftsforschung ermittelt.

Die drei Säulen des Vertrauens

Gefühle nach einem Vertrauensbruch

Wenn ein Vertrauensbruch passiert ist, entsteht zunächst ein Gefühl des Schocks. Sie sind verzweifelt und wollen es zunächst unter Umständen nicht wahrhaben. Das ist eine ganz normale Reaktion. Wir und unser Körper wissen nämlich nicht recht, wie damit umzugehen ist. Es ist eigentlich eine Krisensituation für uns.

Recht bald folgt aber Wut und Zorn. Ihre Gefühle brechen heraus. Auch Schuldgefühle und die Frage „Warum passiert das mir“ sind in dieser Phase etwas Normales. Schließlich macht sich die Enttäuschung breit und ist lange Zeit vorherrschend

Erst in dieser Phase kann eine Aufarbeitung überhaupt erst beginnen. Schließlich kann und sollen Sie daraus eine „neue“ Beziehung wachsen lassen und eventuell auch gestärkt in Ihre neue gemeinsame Zukunft starten.

Was benötigen Sie, um Ihr Vertrauen wiederzuerlangen?

Vorweg gesagt, das ist kein Prozess, der sich in ein bis zwei Wochen abschließen lässt. Das dauert Monate, eventuell sogar Jahre. Der erste Schritt, nachdem Ihre Wut abflaut und Sie sich in der Lage fühlen wieder klare Entscheidungen treffen zu können, ist sich zu fragen:

  • Was will ich eigentlich?
  • Ist es mir diese Beziehung wert, Sie aufrecht zuhalten?
  • Was will mein Partner / Freund(in)?

Sie beide dürfen diese Entscheidung nicht leichtfertig und aus Schuldgefühlen heraus (gegenüber wem auch immer) oder aus verletzten Stolz heraus treffen. 

Sie können Pro und Kontra Listen schreiben. Nehmen Sie sich Zeit für sich, um einen „inneren Dialog“ mit sich selbst zu führen. Das kann man nicht nebenbei machen. Sie müssen sich dafür gezielt Zeit nehmen. Überlegen Sie sich dazu auch, was Ihre Ziele sind und ob Sie das jetzt noch immer sind. Oder sind es vielleicht übernommene Ziele? Versuchen Sie vorerst Ängste, Sorgen, Stolz und Idealisierungen außer Acht zu lassen.

Werden Sie sich darüber klar, was Sie brauchen, um verzeihen zu können. Und machen Sie sich zunächst allein Gedanken dazu, wie ein weiteres gemeinsames Miteinander aussehen kann oder soll.

Der Partner ist Teil des Vertrauensaufbaus

Bitten Sie Ihrem Partner / Freund(in), das Gleiche zu tun. Auch er/sie soll sich die gleichen Fragen stellen. Das schafft eine Gesprächsbasis für die Beziehungsverhandlung und definiert die Ziele und Wünsche beider Parteien. 

Führen Sie dann ein Gespräch mit Ihrem Partner / Freund(in). Am besten in einer neutralen Atmosphäre, aber auch an einem Ort, an dem sie allein und ungestört sind. Da bieten sich natürlich Plätze in der Natur an, ein Spaziergang zum Beispiel.

In diesem Gespräch sollten sie beide ihre Sichtweise der Dinge darstellen. Was beide Parteien wollen und was die Pläne sind. Aber auch, ganz wichtig, was Sie brauchen und was Ihr Gegenüber benötigt. 
Versuchen Sie, das Gespräch so sachlich wie möglich zu führen. Ohne Vorwürfe. Ja, das wird schwer gelingen, aber bemühen Sie sich darum und bitten Sie auch ihren Partner darum. Wenn Sie in Streit verfallen, machen Sie eine kurze Pause, eine Auszeit vom Gespräch, um sich wieder zu sammeln und setzen Sie es erst danach fort.

Das Ziel der Beziehungsverhandlung

Ziel ist es, einen ersten Fahrplan zu erstellen. Die zentralen Fragen müssen angesprochen und beantwortet werden. Die folgenden Fragen sollten beantwortet werden:

  • Gibt es für beide eine gemeinsame Zukunft?
  • Wenn Ja, was braucht es an Wiedergutmachung?
  • Welche Rahmenbedingungen soll die neue Beziehung haben?
  • Und welche Bedürfnisse kamen in der alten Beziehungen zu kurz?

Erst wenn diese Rahmenbedingungen so festgesteckt worden sind, dass sie für beide passen, kann mit dem Handeln begonnen werden. Sie sollten dabei aber keine Kompromisse eingehen, die sich für Sie nicht gut anfühlen. Auch Ihr Partner nicht. Langfristig würde das nämlich nicht funktionieren.

Wenn Sie sich nicht einigen können, sollten Sie sich allerdings auch überlegen, die Beziehung aufzulösen. Fragen Sie sich dann jedenfalls nochmals, warum Sie an der Beziehung festhalten wollen.

Trennungsgründe

In einer ElitePartnerstudie von 2017 wurden 2.957 erwachsene deutsche Internetnutzer befragt. Gemäß dieser Studie ist für 77 % eine längere Affäre ein Grund für eine Trennung. Bei einem Seitensprung gaben nur mehr 50 % an, sich trennen zu wollen.

Trennungsgrundfür Frauenfür Männer
Eine längere Affäre82%71%
Partner engt mich ein, lässt mir kaum Freiraum68%64%
Partner vernachlässigt sein Äußeres bzw. seine Körperhygiene61%58%
Ein Seitensprung56%45%
Partner ist stark eifersüchtig54%52%
Zärtlichkeiten gehen verloren50%44%
Wir tauschen uns nur noch über das Nötigste aus49%44%
Unterschiedlicher Umgang mit Geld23%22%
Wir haben zu wenig Zeit füreinander21%19%
Länger andauernde Sexflaute15%28%
Partner ist beruflich lange erfolglos, arbeitslos13%8%
Partner verändert sich äußerlich stark (nimmt z.B. deutlich an Gewicht zu)10%23%
Partner arbeitet zu viel, macht zu viele Überstunden6%6%

Quelle: ElitePartner Studie "So liebt Deutschland" 2017

Wie kann die Wiedergutmachung aussehen?

Es kann in einem Brief verfasst sein oder auch mündlich. Aber eine Entschuldigung muss konkret passieren und nicht irgendwie umschifft werden. Dasselbe gilt fürs Verzeihen. Sagen Sie „Ich verzeihe dir“. Alleine das Aussprechen bringt Gedankenänderungen mit sich. Natürlich erst, wenn Sie auch wirklich bereit dazu sind.

Wichtig ist, die Situation des Vertrauensbruchs zu beenden. Das kann unmittelbar und abrupt sein oder in definierten Schritten. Ja, das mag komisch klingen. Aber nehmen wir an, es handelt sich um eine Geliebte. Ihr Partner braucht vielleicht eine Verabschiedung oder muss noch andere formelle Sachen klären. Das klingt hart, kann aber durchaus notwendig sein. Das sollten Sie natürlich auch besprechen und regeln.

Das Ziel ist es, zu vermeiden, wieder in solche Situationen zu kommen. Es ist notwendig, den Dingen auf den Grund zu gehen. Warum ist es so weit gekommen? Was waren die auslösenden Faktoren und wie können Sie diese in Zukunft gemeinsam ändern und vermeiden?

Fest steht auch, dass Worten Taten folgen müssen. Nur besprechen reicht nicht. Die Sachen müssen umgesetzt werden. Nicht nur von einer Partei, sondern von beiden. Aber natürlich liegen auch viele der Handlungen bei der Person, die das Vertrauen gebrochen hat.

Ehrlichkeit ist die Basis einer gesunden Beziehung

Ehrlichkeit ist eine Voraussetzung auf beiden Seiten. Ohne diese wird es nicht gelingen, Vertrauen wieder aufzubauen. Ehrlichkeit über Tatsächliches und Ehrlichkeit über Gedanken und Gefühle. 

Kommen Zweifel oder Eifersucht auf, soll das auch so kommuniziert werden. Nichts zurückhalten, nichts totschweigen. Daraus kann keine konstruktive Änderung entspringen.

Klar ist, ein Vertrauensbruch ist passiert. Und trotz besseren Wissens wurde der Partner absichtlich verletzt. Diesem Umstand muss auch Rechnung getragen werden. Es darf nicht abgeschwächt oder beschönigt werden. Vertrauen wieder aufzubauen bedarf Zeit, Arbeit, Taten und eine hohe Bereitschaft auf beiden Seiten eine neue Beziehung aufzubauen. Wiederholter Vertrauensmissbrauch darf allerdings auf keinen Fall geduldet werden. Dabei geht es um Sie selbst und Ihre Gesundheit.

Fazit

Die Motive für Vertrauensbrüche sind vielfältig und es gibt Menschen, die damit Macht ausüben wollen oder die ihren Egoismus ausleben. Es ist liegt dann an Ihnen selbst, sich dieser Situation zu entziehen.

Oft liegt Vertrauensmissbrauch allerdings auch daran, dass Wünsche, Anliegen und Bedürfnisse aus Angst oder Scham nicht richtig kommuniziert werden. In diesem Fall ist es durchaus ratsam, die oben erwähnten Schritte in Betracht zu ziehen und gemeinsam zu besprechen. Auch professioneller Rat kann in solch einer Situation hilfreich sein.

Bitte schaffen Sie vorab eine Basis und achten Sie darauf, Wünsche und Bedürfnisse einander mitzuteilen.

Ihr psychologischer Ratgeber in Familien- und Beziehungssachen.
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