Die Bedeutung der Farben bei Montessori

In der Montessoripädagogik werden Farben dazu genutzt, um Kindern eine zusätzliche Unterstützung in der Auseinandersetzung mit den Lernmaterialien zu bieten. Dabei wiederholen sich die Farben. Das heißt, eine Farbe wird immer für das gleiche Symbol/ Zeichen/Wort/Nummer benützt. Das erleichtert natürlich einerseits das Wiedererkennen des Symbols, sei es eine Zahl oder auch eine Wortart und hilft dadurch dabei, dass sich diese Symbole bzw. Lernmaterialien schneller und besser einprägen. Also zum Beispiel rot für ein Verb oder in Mathematik steht rot für die Zahl 1.

Im Artikel erfahren Sie:

  • Wofür Farben bei Montessori benutzt werden.
  • Was die Farben in der Mathematik bedeuten.
  • Welche Farben und Formen die Worte symbolisieren (inklusive Anschauungstafel).
  • Warum Farben wichtig sind.
  • Wie wir es zu Hause umsetzen können.

Farben zum Lernen nutzen

Das Lernen erfolgt nach Montessori einer „inneren Ordnung“, passiert also nach einer gewissen Abfolge. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei, dass es für beinahe alles eine strenge Ordnung gibt. Auch für das Erlernen. Also, zuerst lernen wir grundlegende Inhalte und diese können dann aufbauend, je nach Interesse, verfeinert werden. Beherrschen wir nämlich die Grundlage nicht, entsteht gar kein Interesse für das Lerngebiet, da uns das Vorwissen fehlt und uns die Inhalte überfordern.

Dieser Ordnung und dem Bedürfnis nach Ordnung entspricht auch die Zuordnung des Materials zu Farben. Sie erleichtern also vorrangig das Erlernen der Grundlagen.

Die Ordnung ist ja bei Montessori, wie auch bei anderen Entwicklungsplänen, ein Bedürfnis, das recht früh angesiedelt ist. Es ist eine eigene sensible Phase im Alter zwischen 0 bis 3 Jahren. Farben sind für die Ordnung auch recht wichtig, da diese uns helfen, die Welt um uns zu verstehen und um Dinge besser einordnen zu können.

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Warum Farben bei Montessori wichtig sind

Unser Vermögen Farben wahrzunehmen haben wir von Geburt an (auch wenn dieses erst um den 3. Monat herum gut ausgebildet ist). Unser Gehirn lernt also sehr früh, was Farben sind und kann diese für die Verarbeitung von Informationen verwenden. Ein grüner Boden wird zum Beispiel recht schnell mit einer Wiese assoziiert. Diese Informationen werden von unserem Gehirn in Schublade abgelegt, damit diese schnell ohne groß nachzudenken nutzbar sind.

Wenn Sie mehr über diese Konzepte erfahren wollen, kann ich das Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ vom Nobelpreisträger Daniel Kahnemann (Werbung) empfehlen. Obwohl es recht umfangreich ist, war es für mich trotzdem kurzweilig, mit vielen praktischen Beispielen aus unserer Denkwelt.

Aber zurück zum Thema: Wir Menschen legen unser Wissen und alle Informationen in unserem Gehirn geordnet ab. Das können wir uns dann auch zunutze machen. Für das Lernen als effektiv erwiesen, dass wir Wissen zu Klassen und Gruppen zusammenfügen. Diese Klassen können wir uns wie Schubladen vorstellen (nicht umsonst gibt es den Begriff des Schubladendenkens).

Je mehr wir im Laufe unseres Lebens erfahren und lernen, je mehr werden diese Informationen miteinander verknüpft. Damit können wir rasch und einfach Zusammenhänge erkennen und Schlussfolgerungen ziehen. Je mehr Schubladen es gibt und je stärker sie untereinander verbunden sind, desto besser können wir damit arbeiten.

Schubladen lernen

Farben eignen sich zum Verbinden der Klassen untereinander recht gut. Sie sind einfach wiederzuerkennen, sehr einprägsam und früh in uns gefestigt. Dadurch bildet unser Gehirn Schubladen, in die alles kommt, was der Farbe oder dem Symbol, dem Wort oder der Zahl zuzuordnen ist. Am besten natürlich, das Lernmaterial vernetzt sich mit vielen Schubladen, also mit Farbe und mit Symbol zum Beispiel. Denn je besser vernetzt die Informationen sind, desto schneller werden sie wiedererkannt und desto leichter fällt das Anwenden des Gelernten.

Info am Rande
Dasselbe Prinzip wird auch für Gedächtnistechniken angewandt. Ein sogenannter „Gedächtnispalast“ wird verwendet, um neue Informationen schnell und einfach abzuspeichern.

Farbkonzepte

Maria Montessori selbst hat dazu für sehr viele Lernmaterialien schon Konzepte erstellt und festgehalten. Daran orientieren sich die meisten Montessori Lernmaterialien. Aber natürlich könnte man die Farbkonzepte auch selbst erstellen. Der Nachteil ist, sie passen dann wahrscheinlich nicht zu den Farben des schulischen oder pädagogischen Materials in Schule und Kindergarten. Und das würde dann den Lernprozess erschweren, da die Verknüpfungen nicht zusammenpassen.

Farben werden in der Montessori-Pädagogik auch dazu genutzt, Kindern die Selbstkontrolle von Aufgaben zu ermöglichen. Also alle Verben zum Beispiel sollten rot sein. Das ist für Kinder recht leicht selbst zu überprüfen (Siehe weiter unten: Farben zur Kontrolle).

Um einen kurzen Einblick zu bekommen, habe ich hier für Sie die Farben und Bedeutungen der Hauptfächer kurz zusammengefasst:

Farben nach Montessori für Mathematik

Das Konzept der Ordnung besagt, dass wir bereits Gelerntes nutzen können, um neue Fähigkeiten erlernen zu können. Für das Verständnis von Zahlen werden auch die Farben verwendet, um das neue Konzept der Zahlen leichter erlernen zu können.

Farben für Zahlen

Beim Erlernen der Zahlen von 1 bis 10 werden hier bestimmte Farbwerte für die einzelnen Zahlen definiert. Beim Einlernen der Zahlen werden dann, wie zuvor erwähnt, die bereits erlernten Farben genutzt, um einzelne Zahlen und Zahlenwerte besser und schneller erkennen zu können.

Die folgenden Farben werden den einzelnen Zahlenwerten zugeordnet:

1 = rot6 = lila
2 = grün7 = weiß
3 = rosa8 = braun
4 = gelb9 = blau
5 = grau10 = gold
Zuordnung der Farben zu den einzelnen Zahlen

Damit können Sie ganz einfach zu Hause eigenes Lernmaterial basteln. Es gibt aber natürlich auch fertiges Montessori Lernmaterial in diesen Farben. Das können Perlen, Perlenstäbchen, Rechenstäbchen (Werbung) oder andere Formen sein, mit denen sich hervorragend rechnen und vor allem die Zahlen veranschaulichen lassen.

Farben für den Stellenwert

Wenn die einzelnen Zahlen gut gefestigt sind, wird auch für das Erlernen größerer Zahlen diese Farbkonzepte genutzt. Hierbei werden die einzelnen Stellen in Dreiergruppen farbcodiert:

Einerstellegrün
Zehnerstelleblau
Hunderterstellerot
Tausenderstellegrün (und so weiter)
Zuordnung der Farben zu den Zahlenstellen

Beispiel:
Die Zahl 1234 besteht aus 1000, 200, 30 und 4.

Hierzu gibt es bei den Montessorimaterialien eigene Kärtchen für jede Zahl in den dazugehörigen Farben. Und daraus lassen sich, sofern genügend Kärtchen da sind, sehr hohe Zahlen legen.

Den Kindern ist dadurch ersichtlich, an welcher Stelle (Einerstelle, Zehnerstelle …) sich die jeweilige Zahl befindet und natürlich, wie sich die Zahl zusammensetzt. Das Kartenmaterial lässt sich nämlich wunderbar übereinander legen oder der Reihe nach wegnehmen.

Farben nach Montessori für Deutsch

Auch für das Lernen der Wortarten gibt es Farben in Kombination mit Symbolen. Wahrscheinlich kennen Sie das selbst aus Ihrer Grundschulzeit oder der Ihrer Kinder. Gewisse Wortarten, wie Verb, Nomen, Adjektiv, werden in bestimmten Farben unterstrichen.

Diese Methodik hat sich im heutigen Unterricht schon stark verbreitet und ist mittlerweile an den meisten Schulen Usus. Das kommt ursprünglich aus der Montessori-Pädagogik. Aber unbekannter ist, dass jede Wortart zusätzlich noch mit einer bestimmten geometrischen Form verbunden wird. Diese wird über das Wort gemalt oder mit Kärtchen gelegt. Auch das erleichtert das Lernen durch die Zuordnung in diese „Schubladen“.

Durch Farbe und Symbol werden die Wörter gut vernetzt und können so viel schneller und leichter wiedererkannt werden. Gerade Wörter sind sehr komplex, da sie aus mehreren Buchstaben bestehen und auch je nach Position im Satz unterschiedlichen Nutzen haben. Wir erinnern uns selbst kaum daran, aber natürlich ist es schwer, das alles zu lernen.

Man denke nur daran, wenn wir eine Fremdsprache lernen. Da passiert es uns auch noch lange, dass die Satzstellung nicht wirklich passt. Durch die Farben und Symbole ist aber schneller ersichtlich, wenn ein wesentlicher Satzbestandteil fehlt. Also eine einfache Form eines Satzes besteht zum Beispiel aus: Nomen + Verb + Adjektiv. Wenn man das gelernt hat, inklusive der dazugehörigen Farben und Symbole, kann ich alle Wörter im Satz damit versehen und kontrollieren, ob alle Bestandteile vorhanden sind. Also kommt auch hier ganz stark die Möglichkeit zur Selbstkontrolle hinzu.

Wortarten nach Montessori

Es ist ganz praktisch, wenn die Wortsymbole in der Nähe des Arbeitsplatzes zu sehen sind. Diese visuelle Unterstützung beschleunigt das Merken und hilft unseren Kindern natürlich bei der Anwendung. Deshalb habe ich hier für Sie eine Übersicht der Symbole mit Farben zu den Wortarten:
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Wortartensymbole Poster

Farben zur Kontrolle für alle Fächer

Allgemein ist es nach Montessori sinnvoll, jegliches Lernmaterial mit Farben zu kombinieren, um das Einprägen zu unterstützen und leichter selbst kontrollieren zu können. Also zum Beispiel, wenn es eine Schüssel gibt, in der alles Grüne gesammelt wird, empfiehlt es sich, einen grünen Sticker an der Seite oder unten anzubringen, damit Ihr Kind in der Lage ist, selbst zu kontrollieren, ob es die Aufgabe richtig gelöst hat. Die Farben drücken also ganz stark die Zuordnung aus und ermöglichen autonomes Lernen.

Auch die Jahreszeiten (Werbung) und Wochentage lassen sich zum Beispiel zu Farben zuordnen, um dann leichter wiedererkannt zu werden.

Montessori zu Hause

Farben sind ein gutes Mittel, um schnell und einfach zuordnen zu können. Natürlich ist es im Sinne von Montessori einfacher, die vorgegebenen zu verwenden. Im Alltag lassen sich aber ganz viele Übungen und Lernsachen mit Farben verbinden und so erleichtern. Da muss man nicht unbedingt auf die Montessorifarbenvorgabe zurückgreifen.

Manche Farbauswahl ergibt sich ohnehin intuitiv, wie bei den Jahreszeiten. Kaum jemand wird wahrscheinlich dunkle, satte Farben für den Frühling verwenden. Es werden wahrscheinlich eher helle, leichte Farben ausgewählt werden. Und genauso ist es auch im Ursprungskonzept von Montessori gedacht. Sie sehen, die Farbwahl lässt sich oft einwandfrei aus dem Bauch heraus treffen.

Auch Farbspiele, wie die Regenbogenbausteine (Werbung), machen Kindern bis weit ins Grundschulalter hinein Spaß und wecken schnell das Bedürfnis nach Ordnung und Sortieren. Farbzuordnungsspiele eignen sich also perfekt gegen Langeweile. Bei Schlechtwetter drinnen und wenn es das Wetter zulässt, können auch in der Natur verschiedene Materialien nach Farben gesucht werden.

Bei Rechenlernmaterial oder Sprachlernmaterial, das Sie zu Hause basteln, empfiehlt es sich allerdings an obige Farbwahl zu halten. Sonst geraten Ihre Kinder nur unnötig durcheinander.

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