Entwicklungsstufen nach Montessori

Im Montessori-Konzept wird die Entwicklung vom Kind bis zur Reife in vier Stadien eingeteilt. Diese Einteilung der Entwicklung ermöglicht auch eine Übersicht, wofür unsere Kinder in welchem Alter empfänglich sind und welche Elemente sie in ihrer Entwicklung brauchen. Diese Entwicklungsstufen sollen uns Eltern und Pädagogen helfen, unsere Kinder bedürfnisgerecht zu begleiten.

Diese Entwicklungsstadien nach Montessori sind:

  1. Kindheitsstadium von 0 bis 6 Jahren
  2. Kindheitsstadium von 6 bis 12 Jahren
  3. Kindheitsstadium von 12 bis 18 Jahren
  4. Reife von 18 bis 24 Jahren

Im Artikel erfahren Sie zusätzlich:

  • Was sensible Phasen sind,
  • was Montessori von anderen Konzepten unterscheidet und
  • ob Montessori heute noch gültig ist.

Die Entwicklungsstufen nach Montessori

In der Montessori-Pädagogik gibt es 3 prinzipielle Entwicklungsstufen und eine Reifephase. Diese sind in 6-Jahres-Schritten unterteilt:

Entwicklungsstufen nach Montessori

Kindheitsstadium von 0 bis 6 Jahren

Von der Geburt bis zum Schuleintritt macht unser Kind enorm viele Entwicklungsschritte durch. In der Grafik sind die Phasen der starken Entwicklung rötlich hinterlegt. Es absorbiert alles aus seiner Umwelt wie ein Schwamm, beobachtet und imitiert. Der Geist und die Psyche erfahren hier wesentliche Weiterentwicklungen, die schließlich zur Bildung der Persönlichkeit führt. Und genau darum ist es hier im Baby- und Kleinkindalter so wichtig, schon mit der Förderung des Vertrauens, des Respekts und des Selbstbewusstseins zu beginnen.

Auch, wenn das Montessori-Konzept bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde, wird heute ähnliches auch immer wieder bestätigt. Gerade die ersten Lebensjahre unserer Kinder sind es, die sehr prägend sind für ihr ganzes Leben. Ganz genau und detailliert finden Sie die einzelnen Entwicklungsaufgaben hier im Kita-Fachtext beschrieben.

Kindheitsstadium von 6 bis 12 Jahren

Die zweite Phase ist stark von den sensiblen Phasen mit sozialem Aspekt geprägt. Lernen durch andere Kinder ist hier essenziell. In dieser Phase wird eigentlich nicht viel Neues gelernt. Denn die grundlegenden Fähigkeiten, die Emotionskontrolle, die Frustrationstoleranz, Empathie, Kommunikation und mehr, sind nämlich alle bereits vorhanden.

Deswegen wird diese Zeit auch als stabile Phase der Kindheit bezeichnet. In dieser Zeit geht es jetzt um die Verfeinerung und Vertiefung des bereits Gelernten. Das dauert seine Zeit, denn es passiert nicht alles gleichzeitig. Jede Fähigkeit hat eine bestimmte Zeit, in der diese sich weiterentwickelt.

Kindheitsstadium von 12 bis 18 Jahren

Im Jugendalter erfahren unsere Kinder eine starke Umwandlung. Die vielen körperlichen und psychischen Veränderungen unserer Teenager führen zu einer starken Verunsicherung. Es entsteht einerseits das Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, andererseits müssen sich unsere Teenager erst in die Gesellschaft einfinden und ihren Platz finden.

Dazu brauchen sie allerdings auch noch immer die Sicherheit und den Halt von uns Eltern oder anderen Bezugspersonen wie z.B.: Lehrern. Und gerade in dieser Zeit ist es oft eine Herausforderung, die Unterstützung zu bieten, welche unsere Kinder benötigen.

Phase der Reife

Es gibt auch eine Phase der Reife von 18 bis 24 Jahren. Diese Phase ist allerdings kaum in Originaltexten beschrieben und es gibt auch keine Lehrkonzepte dazu. Diese Phase reicht eigentlich noch weiter ins Erwachsenenleben hinein und ist nicht mit 24 Jahren abgeschlossen.

Warum es trotzdem ausgerechnet mit dem Alter von 24 begrenzt ist, ist für mich nicht ganz nachvollziehbar (außer, dass damit wieder 6 Jahre vorbei sind). Meine Vermutung geht dahin gehend, dass es eine gewisse Übergangszeit zwischen Jugendlich und Erwachsen sein gibt. Dieser Abschnitt des jungen Erwachsenenalters wird auch als Phase des Heranwachsens beschrieben.

Gerade in diesem Alter stellen sich den jungen Erwachsenen viele wesentliche Aufgaben, wie der Eintritt in den endgültigen Job, längerfristige Liebesbeziehungen oder Wohnungssuche. Darum nehme ich an, hat Maria Montessori diese Phase extra beschrieben und als Ende des Heranwachsens und der Entwicklung der Selbstständigkeit deklariert.

Wichtig
Jedes Stadium ist eine neue Entwicklungsphase, die mit starker Veränderungen, vor allem auch in den Bedürfnissen, einhergeht.

Sensible Phasen nach Montessori

Unsere Kinder durchlaufen sensible Phasen, in denen sie besonders empfänglich sind für gewisse Anreize aus der Umwelt. Dadurch können sie sich in diesen Phasen auch leichter und schneller in den betroffenen Bereichen entwickeln. Allerdings nur, wenn ihnen die richtigen Anreize in ihrer Umwelt zur Verfügung gestellt werden.

Dieses natürliche Interesse ermöglicht es unseren Kindern, ihre gesamte Aufmerksamkeit auf das Material zu richten. Daher arbeiten sie hoch konzentriert damit. Dadurch entdecken unsere Kinder, laut Montessori, die positiven und vielfältigen Möglichkeiten der Materialien. Das spornt die natürliche Neugierde an und regt dazu an, dass sie sich mit diesem und weiteren Lernmaterial aus der Umwelt auseinandersetzen.

Diese sensiblen Phasen gibt es für alle Bereiche des Lernens bzw. der Entwicklung. Am bekanntesten ist wohl die musikalische Phase. Aber es gibt sie auch für Sprache, Bewegung, Soziales. Hier ein kurzer Überblick:

0 - 3 Jahre
sensibel für:
3 - 6 Jahre
sensibel für:
6 - 12 Jahre
sensibel für:
12 - 18 Jahre
sensibel für:
OrdnungBewusstseinsbildungneue soziale BeziehungenGerechtigkeit und Menschenwürde
Bewegungsoziales ZusammenlebenEntwicklung moralischen Bewusstseinssoziale und gesellschaftliches Miteinander
SprachePerfektionierung des bereits ErlerntenAbstraktionwissenschaftliche Erkenntnisse, Experimente
Politik
Überblick sensible Phasen

An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass es die erste Stufe eigentlich von 0 bis 6 Jahren geht, da sich in der Zeit aber so viel tut und sich die Bedürfnisse teilweise stark weiterentwickeln, ist es in diesem Beitrag und auch andernorts oft getrennt dargestellt.

Der Unterschied zu anderen Konzepten

Nach Montessori wird ein Kind vom Material angezogen, wenn es seiner Natur entspricht. Anders als bei den meisten Entwicklungsplänen unterscheidet sich der Entwicklungsplan nach Montessori dadurch, dass es eigentlich keine vorgefertigte Meinung gibt, was ein Kind wann können sollte oder gar muss. Die Entwicklungsstufen wurden nur beschrieben, weil zahlreich beobachtet wurde, dass Kinder in diesem Alter von Materialien angezogen werden, die den Bedürfnissen der beschriebenen sensiblen Phasen gleichkommen.

Wir sollten also keine Meinung über das Lernniveau eines Kindes haben, sondern uns und die Umgebung gut vorbereiten, damit das Kind die Möglichkeiten hat, das passende Lernmaterial zu entdecken. Und passend ist das, was der „inneren Ordnung“ (nach Montessori) entspricht, also den sensiblen Phasen. Denn, es können und werden von Natur aus keine wichtigen Vorkenntnisse übersprungen. Kinder eignen sich Wissen nach bestimmten Mustern an, sonst ist es für sie ja nicht interessant. Daher gibt es bei Montessori diese sensiblen Phasen, an denen sich die Entwicklung orientiert.

Bei anderen modernen Konzepten sind diese viel detaillierter beschrieben und zeitlich enger umfasst. Sie beschreiben recht genau den Spielraum, den ein Kind bei der Entwicklung hat. Also was, wann erreicht werden sollte. Dadurch entsteht ein gewisser Druck. Das kann dazu führen, dass dem Kind Materialien geboten werden, für die es noch nicht bereit ist und diese nicht sachgemäß einsetzen kann.

Was hat das für Auswirkungen?

Ursprünglich sah Maria Montessori natürlich das Problem um 1900 darin, dass Kinder viel zu wenig Entwicklungsspielraum und Freiheit haben. Da ja damals die Erziehung sehr autoritär und starr war. Das ist mit heute natürlich nicht mehr zu vergleichen.

Heute ist es eher so: Kinder bekommen die Materialien teilweise viel zu früh angeboten und verlieren möglicherweise dadurch das Interesse oder lernen sich etwas falsch ein. Beides ist natürlich nicht optimal, weil die selbstständige Entwicklung dadurch erschwert wird.

Ausblick

Die Entwicklungsstufen nach Montessori bieten uns auch heute noch immer einen guten Einblick in die Entwicklung des Kindes. Es regt uns an, weg vom starren „Lernen-nach-Alter-Denken“ hin zu individuellen Förderung nach Bedürfnissen und tatsächlichen Entwicklungsbedarf. Es hält uns auch dazu an, unseren Kindern Hilfen anzubieten, die sie brauchen und nicht zu unterfordern, aber genauso wenig zu überfordern. Erstaunlich eigentlich, dass dieses Konzept über 100 Jahre alt ist.

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