Wie lernen Kinder am besten?

Wir lernen durch Erfahrungen, die wir durch unseren Austausch mit der Außenwelt sammeln. 

Lernerfahrungen sollen möglichst typgerecht und vielfältig angeboten werden. Die Lernatmosphäre und die Lernumgebung sind dabei genauso wichtig wie Hilfe. Diese Hilfe sollte individuell an das Kind angepasst und flexibel sein. Unten erfahren Sie genauer, wie Ihnen das gelingen kann.

Tipps wie wir unsere Kinder beim Lernen unterstützen können

Erfahrungen sammeln

Bieten Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, Erfahrungen im Lerngebiet zu sammeln. Je mehr praktische Anwendung es sammelt, desto mehr Erfahrungen hat es auch mit dem Umgang des Lernstoffes. So können wir uns Sachen viel leichter und schneller merken. 

Durch die direkte Erfahrung werden die Lerninhalte greifbar und auch interessanter. Das gilt auch, wenn das Fach nicht unbedingt zu den Lieblingsgebieten Ihres Kindes gehört.

Mathematik zum Beispiel lässt sich sehr gut im Alltag einbinden. Egal, ob beim Kochen, Backen, Einkaufen oder beim Brettspielen, fast überall kann der Nutzen der Mathematik erkenntlich gemacht werden.

Das ist beinahe bei allen Fächern so, allerdings kann es natürlich sein, dass Sie sich bei manchen erst einlesen müssen. Für Chemie oder Physik gibt es unzählige Experimente zum Googeln, die auch zu Hause leicht umgesetzt werden können. Buchhaltung? Na gut, dann müssen wir möglicherweise auf ein Rollenspiel zurückgreifen, wie „wir machen eine Firma“ oder vielleicht müssen Sie oder jemand anders in der Familie ja tatsächlich Ihre Buchhaltung erledigen. Helfen Sie Ihrem Kind, die Praxisrelevanz zu verstehen, das fördert die Motivation zum Lernen zusätzlich.

„Lernen ist Erfahrung. Alles andere ist einfach nur Information.“

Albert Einstein

Fragen stellen lernen

Nicht alles erschließt sich uns von selbst. Vieles muss anhand der richtigen Informationen erlernt werden. Die Sprache ist dabei unser wichtigstes Mittel. Lernen Sie Ihrem Kind schon frühzeitig gezielte Fragen zu stellen, wenn es etwas nicht versteht. Das können Sie aber natürlich auch noch mit Jugendlichen üben. Ermutigen Sie Ihre Kinder dazu, neugierig zu sein.

Oft trauen sich Kinder in der Schule nicht nachzufragen. Versuchen Sie, das zu Hause herauszufinden und fragen Sie bei Ihrem Kind nochmals nach, ob es noch irgendwelche Fragen gibt, oder ob etwas unklar oder komisch ist. Natürlich in altersgerechter Form am besten. Wenn Ihr Kind generell schüchtern ist, empfehle ich auch bei meinen Tipps zur Überwindung von Schüchternheit nachzulesen.

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Lernatmosphäre

Eine angenehme und anregende Lernatmosphäre ist wichtig, um die Motivation hochzuhalten und das Lernen zu einem Erlebnis werden zu lassen. Die Umgebung muss angenehm oder zumindest nicht belastend für unsere Kinder sein. Zuspruch und richtiges Lob sind dabei wichtig (Mehr zum Thema Lob finden Sie hier). Den meisten Kindern hilft es, wenn sie sich die Zeit und den Ort des Lernens selbst aussuchen können. Je nach Alter, Möglichkeiten und je selbstbestimmter Kinder da sein können, desto weniger Widerstand erzeugt das Lernen.

Lernumgebung gestalten

Eine gute Lernumgebung sollte ruhige und angenehm gestaltet werden. Zusätzlich sind auch anregende Lernmaterialien wichtig. Besonders die Ruhe ist wichtig. Es muss keine absolute Stille herrschen, aber störender Lärm, ablenkte Geräusche wie Fernseher, Musik oder gar spielende Geschwister wirken stark ablenkend. Das macht es unnötig schwer, die ganze Konzentration auf ein Thema zu lenken.

Es ist auch sehr von der individuellen Situation abhängig. Wenn nur Sie alleine zu Hause sind, kann Ihr Kind auch am Esstisch die Aufgabe schreiben. Wenn es aber kleinere Geschwister gibt, die keine Aufgabe haben oder Sie vielleicht im Homeoffice in Telekonferenzen sind, ist das eher ablenkend als hilfreich für Ihr Kind.

Für viele Kinder gilt: je reizarmer die Umgebung, desto besser. Anderen hilft es zum Beispiel visuelle Unterstützung vor sich zu haben.

Hier sehen Sie die häufigsten Ablenkungen von Studenten der Wirtschaftsuniversität Wien. Ich denke, es lässt sich aber auch gut auf unsere Kinder umlegen. Zumindest gibt es uns einen Einblick in die möglichen Ablenkungen, denen unsere Kinder ausgesetzt sein könnten. Genauere Details zur Studie finden Sie hier.

Lerntyp berücksichtigen

Es gibt unterschiedliche Arten, wie Menschen besser lernen. Diese Arten wurden in Typen eingeteilt. Diese Typen sind nicht absolut, aber es kann durchaus hilfreich sein, diese zu kennen.

Es gibt Menschen, die besser lernen, wenn sie visuelle Unterstützung haben. Sie müssen die Informationen sehen. Dies kann entweder in geschriebener Form, in Diagrammen, in Bildern oder anders visuell dargestellt sein. Wie auch immer die Informationen aufbereitet werden, sie sollten mit den Augen wahrgenommen werden können.

Dann gibt es noch die auditiven Lerntypen. Sie nehmen die Informationen schneller und leichter auf, wenn Sie diese hören. Das ist oft im klassischen Unterricht der Fall. Andere Varianten sind zum Beispiel Hörbücher, Podcast oder Sie erklären es Ihrem Kind selbst.

Manche Menschen lernen leichter durch Kommunikation, also wenn sie mit jemandem darüber diskutieren bzw. reden können. Da sind vor allem Lerngruppen hilfreich.

Auch die Bewegung hilft einigen Menschen dabei, sich auf den Stoff zu konzentrieren. Also zu Beispiel, wenn sie im Raum herumgehen und lernen, um die einfachste Form zu nennen. 

Die meisten Menschen haben nicht ausschließlich einen Lerntyp, sondern alle. Allerdings sind manche stärker ausgeprägt als andere. Der Lernerfolg ist auch manchmal von der Aufgabenstellung abhängig.

Beobachten Sie Ihr Kind einfach dabei und probieren Sie unterschiedliches aus. Unterbinden Sie die Impulse Ihrer Kinder nicht, wenn es zum Beispiel während des Lernens aufsteht. Schauen Sie erst, ob es sich dann vielleicht leichter tut.

Mehrere Kanäle bedienen

Abgesehen vom Lerntyp selbst ist es gut, wenn der Lernstoff verschieden aufbereitet oder auch erarbeitet wird. Das hilft den Stoff gut mit anderen Gelernten im Gehirn zu vernetzen. In der nachfolgenden Grafik sehen Sie, dass wir uns mehr merken, je mehr Sinne wir beim Lernen ansprechen.

Neugierde wecken

Am besten ist es natürlich, wenn Sie die Aufgabe oder die Information so Ihrem Kind präsentieren können, dass es die Neugierde Ihres Kindes weckt. Das funktioniert gut, wenn Sie das zu Lernende gemeinsam erarbeiten. So wird die Motivation sofort auf ein anderes Level gehoben.

Mehrere Lösungswege

Die Umsetzung mehrerer Lösungswege ist zwar nicht überall möglich. Wenn es sich aber ergibt, dass Ihr Kind die Aufgabe auf unterschiedliche Wege lösen kann, ist es natürlich super. In solchen Fällen sollten Sie das nutzen und Ihr Kind dazu anregen. Sie können auch anderen Wege vorzeigen. So bekommt Ihr Kind ein breiteres Verständnis für den Lernstoff.

Mehrere Perspektiven zeigen

Wenn möglich, versuchen Sie ein Problem oder eine Aufgabe von mehreren Seiten zu beleuchten. Auch das erweitert die Sichtweise Ihres Kindes enorm und hilft bei der Verarbeitung des Lernstoffes im Gehirn.

Anknüpfen

Wir Menschen merken uns Informationen besser, wenn wir sie zu uns Bekannten dazufügen können. Versuchen Sie also den neuen Lehrstoff mit  bereits Bekannten zu verknüpfen und Anschlussstellen zu finden.

Verschiedene Schwierigkeiten

Versuchen Sie den gesamten Lernstoff in verschieden Schwierigkeiten zu gliedern und dann die Schwierigkeitsstufen dem Können Ihres Kindes so anpassen. In der Schule ist der Lernplan genau nach diesen Anforderungen ausgelegt.

Hier zeigt sich aber, dass es wichtig ist, die einfachen Lerninhalte zu meistern, bevor die schwierigen angegangen werden können. Das sieht man in der Mathematik relativ deutlich. Oft haben Kinder Probleme mit dem Verständnis, wenn Ihnen die Grundlagen fehlen. 

Der Lerninhalt sollte immer eine Herausforderung darstellen, aber nicht unlösbar sein. Wenn der Inhalt zu schwierig scheint, dann versuchen Sie den leichteren Stoff nochmals zu üben.

Frustration lenken

Auch, wenn Ihr Kind eine Aufgabe nicht schafft, ermutigen Sie es weiterzumachen und schauen Sie, dass die letzte Aufgabe ein Erfolgserlebnis ist. Hören Sie nie mit dem Lernen nach einem Misserfolg auf. Wenn Ihr Kind frustriert ist, versuchen Sie ohne Bewertungen zu erklären, wie es funktionieren hätte können oder was Ihnen aufgefallen ist. Erklären Sie, woran es gelegen ist, dass die Aufgabe nicht geschafft wurde.

Lernstoff organisieren

Legen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind fest, was zu tun ist und was es dafür braucht. Je kleiner das Kind, desto mehr Unterstützung braucht es dabei. Auch wenn es für einen Test lernen muss, ist es ratsam kleinere Lernziele festzulegen, den Stoff zu strukturieren und aufzuteilen. Oft hilft es auch, einen Lernplan gemeinsam zu erstellen. Im Lernplan sollte definiert werden, was wann gelernt wird.

Wichtig ist dabei gemeinsam vorgehen und die Vorschläge Ihrer Kinder aufnehmen. So bekommt es nicht das Gefühl zu etwas gezwungen zu werden und lernt so gleichzeitig, sich zu organisieren. Das sollte bereits recht früh mit dem Kind geübt werden. In der Pubertät hat man als Eltern wenig Chancen, einen Lernplan aus der Taufe zu heben. 

Pausen machen

Natürlich sollte auch die Lernzeit dem Alter angepasst werden. Merken Sie erste Ermüdungserscheinungen ist es wichtig  5–10 Minuten Pause zu machen. Das verhindert Überforderung.

Je jünger die Kinder, desto mehr Unterstützung brauchen Sie auch bei der Einteilung der Zeit. Hilfreich sind auch Time-Timer. So ist ersichtlich, wie lange noch zu arbeiten ist. Aber auch bei Pausen schadet ein Timer nicht.

Was passiert beim Lernen?

Unser Gehirn verarbeitet unglaublich viele Informationen in nur einer Sekunde. Um sich etwas zu merken, braucht unser Gehirn Vernetzungen. Es bildet sogenannte Synapsen für die gemerkten Informationen, die sich dann untereinander verbinden. Interessanterweise verbinden sich diese stärker, je mehr wir die in Ihnen gespeicherten Informationen nutzen.

Wenn wir ganz viele Erfahrungen und Informationen zu einem Thema haben, bilden sich viele Synapsen mit dicken Verbindungen untereinander. Wiederholungen und unterschiedliche Darbietungen und Blickwinkel stärken diese Verbindungen weiter.

Die Informationen werden in die dazu passenden vorhandenen Systeme eingeordnet und so abgespeichert. So bekommen wir unser Bild der Welt. Wir bauen uns durch unsere Erfahrungen unsere eigene Wirklichkeit.

Mithilfe unserer Kommunikation erweitern wir unsere Wirklichkeit und gleichen sie anderen an. Auch wenn wir Menschen unterschiedliche Sichtweise und Wissen zu einzelnen Themen haben, so sehen wir die Welt im Großen und Ganzen alle ziemlich ähnlich.

Fazit

Das ist jetzt sicher sehr viel Information auf einmal. Aber zum Glück sind Sie nicht alleine. Im Normalfall arbeiten unsere modernen Kindergärten, Schulen und Hochschulen mit all diesen pädagogisch wertvollen Konzepten. Einzelne Fälle natürlich ausgeschlossen.

Optimal ist es für Ihr Kind natürlich, wenn das in der Schule und zu Hause der Fall ist. So nehmen wir unsere Kinder die Freude und Motivation am Lernen nicht, sondern fördern sie.

Ihr psychologischer Ratgeber in Familien- und Beziehungssachen.
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