Die sozial-emotionale Entwicklung

Das Verstehen, Ausdrücken und richtiges Vermitteln von Gefühlen ist uns nicht in die Wiege gelegt, sondern wir müssen es erst lernen. Dabei ist es natürlich förderlich, wenn wir unsere Kinder dabei unterstützen. Wir können Ihnen durch diese einfachen Punkte helfen:

  • Vorbildfunktion
  • Erklären
  • Offenheit
  • Angepasstheit

Wenn Sie mehr dazu lesen wollen, was die sozio-emotionale Entwicklung genau ist, wie sie passiert und wie Sie diese genau fördern können, sind Sie hier genau richtig.

Was ist die sozial emotionale Entwicklung?

Bei der sozial-emotionalen Entwicklung geht es um das Erlernen der eignen Gefühle. Genauer gesagt, geht es um den Ausdruck, die Bedeutung, die Konsequenzen, die Angemessenheit und vor allem um die Intensität und das richtige Erkennen all unserer Gefühle. Durch das Beherrschen der eignen Emotionen wird auch gleichzeitig die soziale Kompetenz verbessert. Es fällt unseren Kindern dadurch immer leichter, mit anderen zurechtzukommen, da sie sie besser verstehen, aber auch genauer ausdrücken können, was sie wollen oder brauchen. Außerdem können eigene Bedürfnisse zunehmend auch mal hinten angestellt werden, was für das Miteinander in Gruppen wesentlich ist. Die Anfänge der Empathie sozusagen.

Diese Entwicklung verlauft in Stufen und der wesentliche Teil ist meist mit sechs Jahren abgeschlossen. Hier eine Übersicht:

Tabelle für die soziale-emotionale Entwicklung

LebensjahrMerkmale
1. Lebensjahr-Verlangen nach den Grundbedürfnissen
-Ausdruck durch schreien und weinen
-erste Reaktionen auf Gefühle anderer, wie zurück lächeln oder auch mit weinen
2. und 3. Lebensjahr-Autonomiebestrebung
-Erleben von Grenzen
-häufig durch Trotzreaktionen und Wutanfälle
4. und 5. Lebensjahr-Erleben und Erfahren der eignen Emotionen, manchmal auch durch
ungewöhnliche Reaktionen
-Ausdruck in Rollenspielen und Fantasiespielen oder auch in ruhigen Momenten mit den Eltern
-Unterscheiden eigene Gefühle von den anderen
-berücksichtigen Gefühle anderer manchmal, aber nicht immer
-Unterscheiden Reaktionen von sich und anderen auf die gleiche Situation
-Umgang mit widersprüchlichen Gefühlen bildet sich aus
6. Lebensjahr-beeinflussen ihre Emotionen, um ein Ziel zu erreichen
-Zeigen Emotionen so, dass sie von anderen erkannt werden
-Können Gefühle gut kommunizieren und sich mit anderen austauschen
-Gefühle anderer werden richtig erkannt
-Gefühle anderer werden im eignen Verhalten berücksichtigt
Tabelle die soziale-emotionale Entwicklung Kinder

Was ist die sozial-emotionale Kompetenz bei Kindern?

Die soziale-emotionale Kompetenz leiten sich aus den benötigten Fertigkeiten für diese Entwicklungsschritte ab. Folgende Fähigkeiten zählen zur sozial-emotionalen Kompetenz:

  • Emotionale Kompetenzen
    • Emotionsregulation
    • Mimischer Emotionsausdruck
    • Sprachlicher Emotionsausdruck
    • Erkennen des Ausdrucks bei anderen
  • Soziale Kompetenzen
    • Umgang mit anderen
    • Empathie

Im Folgenden finden Sie diese Fertigkeiten im Detail beschrieben.

Emotionale Kompetenzen

Zum Beherrschen der eigenen Gefühle bedarf es:

Emotionsregulation

Emotionsregulation meint Wege, um mit den eignen Gefühlen umgehen zu können und sie für bestimmte Zwecke nutzen zu können.

Beispiel: Wenn ich traurig bin, dann darf ich zeigen, dass es mir nicht gut geht und weinen oder niedergeschlagen sein, damit ich getröstet werde.

Mimischer Emotionsausdruck

Gefühle spiegeln sich stark in unserem Gesicht wider. Dabei haben die jeweiligen Gefühle auch ganz typische Merkmale.

Beispiel: Wenn ich Spaß habe, lache ich.

Sprachlicher Emotionsausdruck

Auch das Ausdrücken der Gefühle mit Worten gehört zur emotionalen Entwicklung dazu. Dies können wir Eltern auch stellvertretend für unsere Kinder tun.

Beispiel: Wenn ich Angst habe vor einem Schatten, dann ist es hilfreich es Mama zu sagen.

Oder stellvertretend: „Ich sehe, du hast Angst. Ist es vielleicht der Schatten, der dir Angst macht?“

Erkennen des Ausdrucks bei anderen

Das Schließen vom Gesichtsausdruck oder Worten anderer, auf deren Gefühle.

Beispiel: Meine Freundin weint, wahrscheinlich ist sie traurig.

Soziale Kompetenzen

Die sozialen Kompetenzen, die im Zusammenhang mit Gefühlen stehen, betreffen vorwiegend den Umgang mit anderen. Dazu ist das Zurückstellen und auch Einfordern der eigenen Bedürfnisse wesentlich. So können Kinder Freundschaften aufbauen und Kompromisse eingehen. Sie müssen lernen zu verstehen, was sie selbst betrifft und was nur den anderen, wie der eigene Körper zum Beispiel. Das größte Unterfangen in dieser Zeit ist die Entwicklung der Empathie. Sie ist eine wichtige Voraussetzung, um respektvoll zu sein und rücksichtsvoll zu handeln, ohne über eigene Grenzen zu gehen.

Wie fördert man die sozial emotionale Entwicklung?

Natürlich können wir Eltern und auch Pädagogen die sozial-emotionale Entwicklung fördern.

Tipps zum Fördern der sozial emotionalen Kompetenzen

  1. Vorbild sein
    Wir sind für unsere Kinder ein Vorbild. Sie beobachten uns häufig und übernehmen unsere Verhaltensweisen. Das ist auch bei Emotionen so. Daher ist es wichtig, unseren Kindern unsere Emotionen zu zeigen, auch wenn es „negativ“ besetzte sind wie Trauer.
  2. Erfahrungen sammeln lassen
    Am besten lernen unsere Kinder, wenn sie Dinge selbst erfahren und begreifen können. Daher ist es förderlich, unsere Kinder nicht von allen fernzuhalten. Auch, wenn daraus möglicherweise negative Gefühle resultieren. Unsere Kinder müssen Trauer oder Wut erfahren und damit umgehen lernen. Wenn wir alles „Schlechte“ von ihnen fernhalten, sind sie später auf sich allein gestellt, wenn sie diese Gefühle dann doch mal durchleben müssen.
  3. Emotionen zeigen
    Schon im Babyalter ist es ratsam, unseren Kindern verschiedene Gesichtsausdrücke zu zeigen und zu benennen. Das können Sie spielerisch auch noch später im Kindergartenalter mit ihrem Kind üben. So lernen Sie die Grundlagen, vor allem auch bei etwas uneindeutigen Emotionen wie Scham zum Beispiel.
  4. Eigene Emotionen erklären
    Kinder tun sich oft schwer, die eigenen Gefühle einzuordnen. Wir können ihnen dabei helfen, indem wir bewusst benennen, was wir an ihnen an Gefühlen und Reaktionen beobachten. Das hilft ihnen zu verstehen, was in ihnen vorgeht und Gefühle und Reaktionen zu verbinden. So gelingt es ihnen später selbst.
  5. Ernst nehmen
    Wir dürfen die Gefühle unserer Kinder nie heruntermachen oder ihnen diese absprechen. Wenn sie sagen, sie haben Angst, dann ist das auch so und geht auch nicht weg, wenn wir sagen: „Brauchst du aber nicht.“ Aufklärung über die Ursache und zeigen von Verständnis und wenn möglich, vertraut machen mit der Situation helfen hier viel besser und nachhaltiger.
  6. Alternativen erklären oder zeigen
    Hat ein Kind überreagiert und ist in einer Situation von seinen Gefühlen überrannt worden, sollten wir nachher andere Möglichkeiten und Wege besprechen, wie das Kind mit seinen Gefühlen umgehen kann. Genaueres erfahren Sie im Beitrag: „Was tun, wenn mein Kind ausrastet.
  7. Perspektiven tauschen
    Um die Empathie zu fördern und unseren Kindern zu ermöglichen, auch die anderen zu versehen, ist es notwendig, dass das Erklären der Perspektiven anderer absichtlich und bewusst passiert. Lassen Sie ihr Kind die eigene Perspektive erklären und schildern Sie dann ihre oder die des anderen Kindes. Perspektivübernahme entwickelt sich erst später und kann erst von Kindern ab acht Jahren nachvollzogen werden. Allerdings sind diese Vorbereitungen schon ein kleiner Schritt in diese Richtung und stärkt die Empathie.

Gibt es eine sozial-emotionale Störung?

Natürlich kann es eine Störung in der sozial-emotionale Entwicklung geben. Wir sprechen von einer Störung der sozial-emotionalen Entwicklung, wenn die Fähigkeit, das Verhalten angemessen zu kontrollieren, dauerhaft gestört ist. Aber was heißt das jetzt, genau, wann ist etwas normal und wann nicht mehr? Wenn wir uns darüber Sorgen machen, dann geht es meist konkret um Wutanfälle. Darum habe ich hier für Sie 5 Warnzeichen für Wutanfälle:

Wutanfälle, normal, oder nicht?

Die häufigsten Symptome für eine sozial-emotionalle Problematik sind:

  • häufige Wutausbrüche
  • Ungehorsam, häufiges Streiten oder Tyrannisieren
  • destruktives Verhalten gegenüber Eigentum (häufiges Zerstören)
  • häufiges Lügen,
  • nicht einhalten von essenziellen Vereinbarungen (Besuch der Schule)
  • stehlen,
  • Weglaufen

Wenn Sie sich unsicher sind und Bedenken haben, kontaktieren Sie zuerst umgehend Ihren Kinderarzt. Aber auch ein auf Kinder spezialisierter klinischer Psychologe oder Psychotherapeut sind hier die richtigen Ansprechpartner.

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