Was tun, wenn mein Kind ausrastet

Fast alle Eltern kennen es, das Kind wirft sich auf den Boden, wirft mit Gegenständen oder schlägt auf etwas oder jemanden hin. Wenn unsere Kinder ausrasten, ist das ein Hilfeschrei. Verzweifelte Kinder bedingen allerdings auch meist verzweifelte Eltern.

Wenn unser Kind ausrastet, ist es wichtig ist das Kind zu stoppen, zu beruhigen und den Grund suchen. Dann erst können Sie etwas dagegen unternehmen, wie Empathie üben, Impulskontrolle üben oder auch den Umgang mit Stress. Was genau dahintersteckt und vor allem, ab wann Sie sich Hilfe suchen sollten, verrate ich Ihnen in diesem Artikel.

Warum rasten Kinder so schnell aus?

Kinder rasten meist nicht viel schneller aus als wir Erwachsenen. Wir können nur nicht in sie reinsehen und bekommen deswegen nicht alles mit, was für sie schiefgelaufen ist. Manchmal geht es uns ja auch bei anderen Erwachsenen so. Der Arbeitskollege, der plötzlich ziemlich patzig etwas auf unseren Schreibtisch knallt oder die Freundin, die die Augen verdreht, bei einer scheinbaren Kleinigkeit. Wir wissen nicht, wie ihr Tag verlaufen ist und wundern uns, dass sie scheinbar „plötzlich“ aus der Haut fahren.

Ganz gleich ist es bei Erwachsenen aber natürlich nicht. Ein wenig mehr Übung haben wir normalerweise schon im Aushalten von Frust und wir haben uns oft auch bei Wutausbrüchen besser unter Kontrolle.

Unsere Kinder lernen ihre Selbstkontrolle allmählich ab dem 2. Geburtstag. Natürlich funktioniert das nicht über Nacht, sondern baut sich erst durch Erfahrung und ausprobieren über viele Jahre hinweg auf. Die Hauptentwicklung ist für die Frustrationstoleranz mit ungefähr sechs Jahren abgeschlossen. Aber neue Situationen und neue Herausforderungen gibt es unser ganzes Leben lang und deshalb, können wir das Lernen über uns selbst auch nie ganz abschließen. So auch bei unseren Emotionen.

Natürlich haben wir einen guten Einblick bei unseren Kindern. Jedoch gerade im Alltag übersehen wir manches oder meinen, dass es ihnen nicht viel ausgemacht hat. Der Besuch der Kita, des Kindergartens oder der Schule und andere Aktivitäten zum Beispiel. Vor allem die Situationen, in denen wir nicht bei unserem Kind sind, tragen zu diesem Wahrnehmungsdefizit bei.

Was beeinflusst die Frustration unserer Kinder?

Täglich sammeln unsere Kinder viele positive Erfahrungen, aber genauso viele schlechte. Das kann Frust und Wut bei unseren Kindern auslösen. Aber, der Grad der Frustrationstoleranz ist natürlich nicht immer gleich. Es ist von der Tagesverfassung abhängig, von den anderen Erfahrungen, von den möglichen Auswegen und vieles mehr.

Wir meinen zwar, alles über unsere Kinder zu wissen. Aber wir wissen und sehen eben nicht alles. Dadurch unterschätzen wir meist den Frust und die negativen Ereignisse, die unsere Kinder erleben. Wenn bei Ihnen dann eine gewisse Schwelle erreicht ist, läuft das Fass über und sie rasten aus. Es ist ihnen in dem Moment dann zu viel. Sie sind überfordert und hilflos und werden dadurch von ihren Emotionen überrannt.

Müdigkeit, Hunger, Durst und andere physiologische Bedürfnisse senkt die Frustrationsschwelle dann nochmals zusätzlich.

Natürlich spielen auch das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit sowie die Bindung, aber auch die Autonomie und Selbstständigkeit eine wichtige Rolle im Erleben. Diese Faktoren sind Grundbedürfnisse, die dafür sorgen, dass es unseren Kindern gut geht und dass sie auch mit Problemen besser umgehen können. Ist eines davon nicht gut gefüllt, erhöht das den erlebten Stress und führt dann auch schneller zu Frust, Wut oder Ärger.

Wut – Studie
Kinder zwischen 1,5 -5 Jahren haben mindestens einmal am Tag einen Wut- bzw. Trotzanfall. 
Und: 75 Prozent davon dauern ca. 5 Minuten.

Wann sind Wutanfälle nicht mehr normal?

Wutanfälle sind nichts Ungewöhnliches. Egal, ob bei Kindern oder bei Erwachsenen. Wut ist eine eher negativ behaftete Emotion. Allerdings, ist sie trotzdem wichtig und zeigt uns, dass etwas es ein Problem in Leben unserer Kinder gibt. Was genau das ist, gilt es dann natürlich zu klären.

Gerade bei Kindern, liegt es meist daran, dass Sie Ihre Gefühle noch nicht so gut kontrollieren können. Sie müssen es erst lernen. Der Großteil der Entwicklung ist mit sechs bis sieben Jahren abgeschlossen. Die erwähnte Frustrationstoleranz und das Empfinden von Empathie sind für das Abwenden von Wutanfällen ausschlaggebend. Aber natürlich können auch Erkrankungen diese Entwicklung verlangsamen und stören.

Besonders in der frühen Kindheit ist ADHS, also das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivität-Syndrom, eine mögliche Ursache. Dazu müssen die Symptome, wie Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit mindestens seit einem halben Jahr bestehen und in allen Lebensbereichen auftreten. Zu berücksichtigen ist allerdings dabei der dem Alter entsprechende Entwicklungsstand. Kinder, müssen erst lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen und die eigenen Bedürfnisse manchmal zurückzustecken.

Wenn Sie sich unsicher sind, wenden Sie sich an Ihren Kinderarzt als erste Anlaufstelle. Der wird Sie und Ihr Kind beraten und Sie gegebenenfalls zur richtigen Stelle überweisen (wahrscheinlich einen klinischen Psychologen).

Anzeichen für Probleme mit Wut

Hier können Sie Studie zu Wutanfällen nochmals nachlesen.

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Was tun, wenn Kinder ausrasten?

Wenn unser Kind ausrastet, ist das für uns meist genauso eine Stresssituation, wie für unser Kind selbst. Einerseits tut uns unser Kind wahrscheinlich dabei leid, aber andererseits entwickeln wir dann auch selbst oft Wut oder Ärger. Denn wenn erste Maßnahmen nicht helfen, fühlen wir uns als Eltern auch oft hilflos. Daher ist es besonders wichtig, wenn unsere Kinder ausrasten, auch zu handeln, indem wir:

  • Gewalt und Aggression unseres Kindes sofort unterbinden
  • Ein lautes „Stopp“ rufen
  • Wenn nur irgendwie möglich, unser Kind aus der momentanen Situation herausnehmen
  • Es dann in Sicherheit beruhigen lassen
  • Beruhigend auf das Kind einwirken durch beruhigende sanfte Worte zum Beispiel (auch wenn scheinbar kein Effekt beobachtet werden kann)
  • Einen ruhigen Rückzugsort schaffen, wo es ruhig und abgeschieden ist
  • Eventuell ein Wutmonster (Werbung) oder Stressball (Werbung)
  • Eine Beschwerungsdecke (Werbung) zum Kuscheln und Beruhigen geben.
  • Dem Kind ein Angebot machen, was jetzt gemacht werden könnte
  • Es durch etwas Überraschendes kurz ablenken
  • Eigene Perspektive mitteilen
  • Trotzdem die eigenen Grenzen und die anderer wahren und aufzeigen
  • Gemeinsam eine Lösung finden
  • Wenn die ersten heftige Reaktion verflogen ist: nachbesprechen
  • Eine Lösung anbieten
  • Nach Lösungen gemeinsam suchen
  • Erklären Sie, wie es Ihnen selbst bei dem Wutanfall gegangen ist
  • Erklären Sie, was gerade in unserem Kind vorgegangen ist (lesen Sie auch gerne den Beitrag: „Kindern Gefühle erklären“ dazu)
  • Erklären Sie, wie es dazu gekommen sein könnte. Als Unterstützung bieten sich hier auch die Gefühlskarten (Werbung) an.
  • Alternativen besprechen
  • Sichtweise anderer erklären

Was sollten wir vermeiden, wenn unsere Kinder ausflippen?

Genauso, wie wir etwas dagegen tun sollten, gibt es auch Dinge, die alles schlimmer machen. Deshalb habe ich die hier sicherheitshalber mal aufgelistet.

  • Losbrüllen (Feuer mit Feuer bekämpfen)
  • Unser Kind heruntermachen oder beleidigen
  • Selbst Gewalt und Aggression anwenden
  • Einfach weitermachen, wie wenn nichts gewesen wäre
  • Das Kind belohnen „So, jetzt gönnen wir uns erst mal ein Eis auf den Stress.“
  • Mitten im Wutanfall versuchen, mit unserem Kind nach Erklärungen und Lösungen zu suchen
  • Unrealistische Drohungen aussprechen
  • Existenzbedrohende Drohungen aussprechen

Trotzphase und Wackelzahnpubertät

Die Trotzphase und die Wackelzahnpubertät bezeichnen beide Entwicklungsabschnitte im frühen Leben unserer Kinder. Die Trotzphase ist so zwischen dem 2. und 3. Geburtstag anzusiedeln. Im Vorschuljahr und im ersten Schuljahr ist dann die Zeit der Wackelzanhpubertät.

In den ersten sechs Lebensjahren tut sich bei unseren Kindern generell sehr viel, sie wachsen viel und lernen so viel und so schnell, wie es später nicht mehr der Fall sein wird. Natürlich auch in der Selbstständigkeit und in der Autonomie. Und genau darum geht es in beiden Phasen ganz stark. Unsere Kinder wollen unabhängiger werden und setzten vieles daran, es auch umzusetzen. Aber natürlich fehlt ihnen die ein oder andere Fähigkeit noch dazu.

Deswegen erleben sie in diesen Phasen mehr Enttäuschen als sonst. Sie sind enttäuscht über die Situation, über das nicht Erreichen ihrer Ziele und auch enttäuscht über sich selbst. Noch dazu sind die Empathie und die Affektregulation noch nicht vollends ausgeprägt. Wird es unserem Kind zu viel, kann das dann leicht in einem Wutanfall oder auch in einen kräftigen Weinanfall enden. Da Weinen aber positiver besetzt ist als Wut, ist es für die meisten Eltern ertragbarer und wir machen uns weniger Sorgen.

Trotzdem haben beide Phasen nicht bloß zum Spaß einen eigenen Namen. Es ist eine sehr aufwühlende und anstrengende Zeit für uns und für unsere Kinder. Der Spruch: „Augen zu und durch“ ist etwas fehl am Platz. Es bleibt uns zwar nichts anderes übrig, aber dennoch sind beide Phasen von großer Bedeutung für die Entwicklung unserer Kinder. Daher müssen wir als Eltern versuchen, sie so gut wie möglich dabei zu unterstützen und ihnen die Hilfe geben, die sie benötigen. Vor allem sind das Stabilität, Geborgenheit und die Aufklärung nach der Situation, was gerade passiert ist. So können wir unseren Kindern helfen, diese Fähigkeiten zu lernen. Mehr zu dem Thema habe ich auch im Beitrag: „Wie kann ich mein Kind stärken?“

Resümee

Wutanfälle gehören zu unserem Leben dazu. Auch, wenn wir es nicht wollen. Besonders wird uns das an unseren Kindern vor Augen geführt. Wir sollten es als Anzeichen sehen, dass sich unser Kind gerade mit etwas schwertut. Sei es die Situation selbst oder viele kleine Ereignisse, die sich gesammelt haben.

Uns bleibt nur, mit Geduld dranzubleiben. Werden wir selbst sehr unruhig und gestresst, wirkt sich das genauso auf unsere Kinder aus. Ich weiß, leichter gesagt, als getan. Auch mich stresst das immer wieder. Wenn wir unser Kind also aus der momentanen Situation rausbringen, hilft das nicht nur unserem Kind, sondern auch uns selbst. Sind wir nicht so in der Öffentlichkeit, empfinden wir meist weniger Stress, wenn nicht so läuft, wie es soll.

Ihr psychologischer Ratgeber in Familien- und Beziehungssachen.
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