Wackelzahnpubertät – Mit diesen 14 Tipps überstehen es Kinder und Eltern

Immer wieder hören wir das Wort Wackelzahnpubertät. Tatsächlich handelt es sich nicht um eine richtige Pubertät, aber um eine Art Neufindung unserer Kinder. Das stellt unsere Kinder und uns Eltern oftmals vor eine ziemlich große Herausforderung.

In dieser Zeit der Neufindung ist es für uns Eltern wichtig:

  • Für unsere Kinder da zu sein
  • Unsere Kinder zu fördern
  • Anliegen zu kommunizieren
  • Grenzen klarstellen
  • Raum zu schaffen
  • Bedürfnisse respektieren und altersgemäß umzusetzen.

Anzeichen der Wackelzahnpubertät

Die Wackelzahnpubertät erkennen wir an den folgenden Anzeichen:

  • Die ersten Milchzähne fallen aus
  • Das Kind hat einen Wachstumsschub
  • Die Entwicklung geht rasch voran
  • Häufigere und unerwartete Wutanfälle (hier mir mehr Info zum Umgang damit)
  • Lautes Schreien
  • Manchmal auftretende Aggression
  • Plötzliche Stimmungsschwankungen
  • Gedrückte Stimmung
  • Drang zu Autonomie und Selbstständigkeit einerseits
  • Aufforderung zur Unterstützung andererseits

Wie lange dauert die Wackelzahnpubertät?

Tatsächlich kommt der Name nicht von ungefähr, sondern fällt mit dem Zahnwechseln vom Milchgebiss auf die zweiten Zähne zusammen. Dies geschieht ungefähr ab dem 5. Lebensjahr und geht bis zum elften Lebensjahr. Die heiße Phase liegt aber eindeutig zwischen fünfeinhalb Jahren und acht Jahren. Hier verlieren die Kinder meist die vier oberen und die vier unteren vorderen Zähne. Außerdem wachsen die vier hinteren Backenzähne.

Zusätzlich fällt diese erste Zeit natürlich mit dem Vorschuljahr und dem Schulanfang zusammen. Eine sehr aufregende Zeit, in der sich viel tut, wie Sie gleich noch lesen werden.

Welche Phasen haben 6-Jährige? Die 6-Jahres-Krise

Die Wackelzahnpubertät ist keine neue Beobachtung oder Phänomen, wie manche vielleicht vermuten. Sie ist schon sehr lange bekannt und wurde oder wird oft als 6-Jahres Krise oder auch Schuleintrittskrise betitelt.

Im Alter von sechs Jahren ist diese Phase häufig schon sehr stark ausgeprägt und kaum noch zu übersehen. Die meisten Eltern berichten, dass Sie plötzlich Ihr Kind nicht wiedererkennen.

Die Wackelzahnpubertät bezeichnet die turbulente Phase am Übergang vom Kleinkind zum Schulkind. Diese Phase mag am ersten Blick betrachtet nicht sehr stressig sein für unsere Kinder, schließlich hat sich ja noch nicht viel verändert. Größtenteils sind sie noch im Kindergarten und auch wenn sie in der Schule sind, leben sich die meisten Kinder rasch ein. Aber der Schein trügt und das macht sich in Wut- und Schreianfällen bemerkbar.

Unsere Kinder wollen nun schon „Große“ sein. Sie sind aber dennoch auch noch in gewisser Hinsicht im Kleinkind Sein verhaftet. Das ist von sich aus schon ein Zwiespalt, ein Konflikt in unseren Kindern. Das schafft Unruhe und Stress. Einerseits zeigen sie schon sehr selbstständiges Verhalten und dann geht es ihnen andererseits doch zu schnell. Sie wollen dann, dass doch Mama oder Papa das machen. Bei anderen Dingen dürfen wir dafür gar nicht helfen und am besten nicht mal dabei sein.

Oft liegen wir Eltern in dieser Zeit falschen. Einmal helfen wir zu viel und dann wieder zu wenig. Zusätzlich gelingt unseren Kindern nicht alles so, wie sie es sich vorstellen. Das erzeugt Frust und Enttäuschung. Auch, wenn in diesem Alter die Emotionskontrolle schon einwandfrei ausgeprägt ist, wird es unseren Kindern dann doch einmal zu viel. Das ist ganz natürlich und normal. Wenn sich zu viel anstaut, dann läuft das Fass über, auch wenn es ein großes Fass ist.

Wackelzahnpubertät aus psychologischer Sicht

Nach dem Entwicklungspsychologen Erikson fällt diese Zeit in die Entwicklungsstufe von Kompetenz vs. Minderwertigkeitsgefühl. Unsere Kinder versuchen in dieser Zeit Ihre Leistungen und sozialen Fähigkeiten aufzubauen und auf sich selbst zu vertrauen. Aber natürlich gelingt das nicht immer und dadurch fallen sind in die vorhergehende Stufe der Initiative vs. Schuld zurück. In dieser Phase wird das Selbstvertrauen und das Selbstbewusstsein geprägt, aber es kommen auch Selbstzweifel und Angst vor Strafe zum Vorschein.

Am Beginn wechseln unsere Kinder also noch zwischen diesen beiden Entwicklungsstufen hin und her. Und genau das ist es, was wir dann beobachten. Mal alles allein machen wollen und dann wieder lieber die Sicherheit und Geborgenheit bei Mama und Papa suchen und sich alles zurechtlegen lassen, wenn möglich. Natürlich sind wir in diesem Alter schon längst nicht mehr ständig an der Seite unserer Lieblinge. Deshalb wissen wir aber auch nicht genau, was sie an diesem Tag schon alles erlebt haben, was sie belastet oder was ihnen im Kopf herumschwirrt. Und das ist auch gut so, führt aber dazu, dass wir oft auch „falsch“ liegen mit dem, was wir für unsere Kinder tun oder eben auch nicht. Zumindest aus Sicht unserer Kinder. Das lässt uns dann oftmals ratlos zurück.

Stufenmodell der Entwicklung nach Erikson

Hier sicherheitshalber ein Überblick über alle Stufen von Erikson nach Alter:

AlterStufeAngemessene LösungUnangemessene Lösung
0-1 Ur-Vertrauen
vs.
Ur-Misstrauen
stabiles SicherheitsbewußtseinUnsicherheit, Angst, emotionale Verwahrlosung, Gefühl des Verlassens eins
1-3Autonomie
vs.
Selbstzweifel
Selbstwahrnehmung als Handelnder, als fähig zur Körperbeherrschung, als VerursacherZweifel an der eigenen Fähigkeit zur Kontrolle, Angst vor Unzulänglichkeit und Schande
3-5Initiative
vs.
Schuld
Vertrauen auf eigene Initiative und KreativitätFehlender Selbstwert, Angst vor Strafe
6-11Kompetenz
vs.
Minderwertigkeitsgefühl
Vertrauen auf angemessene zugrunde liegende soziale und intellektuelle FähigkeitenMangelndes Selbstvertrauen, Gefühl des Versagens
12-18Identität
vs.
Rollendiffusion
Festes Vertrauen in die eigene PersonSchwankendes, unsicheres Selbstwertgefühl, Gefühl bruchstückhaft zu sein,
19-40Intimität
vs.
Isolierung
Fähigkeit zur Nähe und BindungGefühl der Einsamkeit, Leugnung des Bedürfnisses nach Nähe, Angst vor Spontaneität
40-64Generativität
vs.
Stagnation
Interesse an Familie, Gesellschaft, künftigen Generationen,Selbstbezogenes Interesse, fehlende Zukunftsorientierung, Gefühl, unkonstruktiv zu sein und Leben vergeudet zu haben
ab 65Ich-Integrität
vs.
Verzweiflung
Grundlegende Zufriedenheit, Gefühl der GanzheitAngst vor dem Tod, Enttäuschung, Resignation, Zynismus
Stufenmodell Erikson

Wie viel Schlaf brauchen Kinder mit 6 Jahren?

Wie in dieser Tabelle zu Schlafzeiten ersichtlich, brauchen Kinder in diesem Alter optimalerweise 10–12 Stunden Schlaf. Ab sechs Jahren ist es theoretisch schon weniger, aber, wenn sie gerade erst sechs Jahre geworden sind, kann der Schlafbedarf natürlich noch erhöht sein. Durchschnittlich und in der Realität schlafen Kinder in diesem Alter allerdings weniger.

Zu wenig Schlaf, besonders in Phasen, in denen sich viel bei unseren Kindern tut, verschärft die Situation meist noch zusätzlich. Die Konzentration sinkt, die Frustrationstoleranz ist weiter unten und der Stress steigt größtenteils durch die zusätzliche Belastung. Eine richtige explosive Mischung. Wir als Erwachsenen kennen das von uns selbst: wenn wir unausgeschlafen sind, funktioniert vieles nicht und unsere Nerven liegen schneller blank. Das ist natürlich auch bei unseren Kindern so.

Wie gehen Sie richtig mit einem Kind in der Wackelzahnpubertät um?

Hier 14 grundlegende Tipps, wie Sie Ihr Kind durch diese Phase begleiten können:

  1. Gelassen bleiben und so Druck herausnehmen
  2. Ihrem Kind einen Rückzugsort/ Privatsphäre ermöglichen
  3. In stressigen Situationen Ihr Kind an einen ruhigen Ort bringen
  4. In der Nähe Ihres Kindes bleiben, eventuell aber mit Abstand
  5. Nicht nach Gründen suchen oder fragen (bringt keinen Erfolg und überfordert die Kinder)
  6. Nähe anbieten, aber nicht einfordern
  7. Angebote machen, um einen Ausweg zu bieten
  8. Ihre eigenen Grenzen wahren und auch klar kommunizieren
  9. Ehrlich über die eigenen Gefühle und Gedanken sein
  10. Im Alltag Selbstständigkeit ermöglichen
  11. Altersgemäße Freiräume schaffen
  12. Kommunikation fördern, damit Ihr Kind rechtzeitig seine Anliegen klarmacht
  13. Ihrem Kind Verantwortung geben
  14. Umgangsformen und Regeln auch innerhalb der Familie besprechen

Die obersten Bedürfnisse unserer Kinder sind neben Sicherheit, Liebe, Freude, Lernen auch Selbstständigkeit und Autonomie, also Freiheit. Die ersten vier genannten können wir als Eltern meistens gut erfüllen. Bei den letzten beiden tun wir uns gelegentlich schwerer, weil sich diese auch immer wieder verändern. Und gerade in diesem Alter sollen und dürfen wir unseren Kindern mehr zutrauen, aber eben manchmal auch nicht zu viel. Das augewohnene Reagieren ist sehr fragil und verfassungsabhängig. Darum liegen wir oft auch mal daneben. Gepaart mit anderen Misserfolgen oder Frustrationen nagt das dann an unseren Kindern und führt eben zu einem Wutausbruch oder dergleichen.

Persönliche Erfahrungen mit der Wackelzahnpubertät

Eigentlich war und ist meine Tochter immer ein recht ausgeglichenes Kind. Die Trotzphase überstanden wir gut und es war nie wirklich ein großes Problem. Das hat sich allerdings geändert, seit sie im Vorschulalter ist. Nicht selten manövriert sie sich selbst in eine richtige Spinnerei rein. Ist auf uns Eltern böse, motzt, schreit und verkriecht sich. Ohne einen ersichtlichen Grund für uns Eltern. Sie tut sich dann auch sehr schwer, wieder herauszufinden, ebenfalls für sie recht untypisch und steigert sich dann nochmals so richtig rein.

Das lässt uns als Eltern oft wirklich verblüfft und etwas hilflos daneben stehen. Manchmal ist es fast schon „lustig“, was da abgeht. Aber lachen geht natürlich auch nicht, das macht die Sache dann noch eindeutig schlimmer.

Es ist aber genauso herzzerreißend und macht mich manchmal selbst traurig, weil es ihr in diesen Situationen, deutlich erkennbar, schlecht geht. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als zu probieren, was ihr hilft. Grund suchen ist zwecklos und führt meist zu nichts. Daher sind auch Fragen in diese Richtung bei uns zumindest meist kontraproduktiv. Denn auch sie weiß die Antwort natürlich nicht und ist damit überfordert.

Wichtig bei uns ist, dabei bleiben oder zumindest in der Nähe. Ihr einen Rückzugsort bieten. Meist funktioniert es mit etwas verhandeln relativ gut. Auch wenn das schon mal länger dauern kann. Wenn Grenzen überschritten werden, sagen wir das natürlich. Wir machen nicht alles, was sie in diesem Moment will. Das führt ohnehin nicht dazu, dass sie sich beruhigt. Irgendwann greift sie dann aber Vorschläge auf und wir kommen in eine Verhandlung. Das bietet ihr dann einen Ausweg. Danach gibt es noch eine Nachbesprechung und dann lassen wir es auch gut sein. Das ganze Bereden ist ja schließlich für alle anstrengend.

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