Kindern die Angst nehmen

Ängste sind etwas ganz Normales. Auch bei Kinder. Diese werden durch Entwicklungsschritte, durch uns Eltern oder von der Umwelt ausgelöst. Egal woher die Ängste kommen, es ist wichtig, dass Sie Ihr Kind:

  • Ernst nehmen und Gefühle zulassen
  • Dabei unterstützen, auch spielerisch, sich den Ängsten zu stellen und
  • Damit in angemessener Weise umzugehen.

Entwicklungsbedingte Ängste bei Kindern

Gerade die zahlreichen Entwicklungsschritte bringen für unsere Kinder auch oft Ängste mit sich. Das ist deshalb so, weil unsere Kinder dann oftmals auch mit neuen Herausforderungen konfrontiert sind und immer mehr erkennen, wenn sie auf eine Situation keinen Einfluss nehmen können. Diese entwicklungsbedingten Ängste sollten am Ende der Entwicklungsphase auch wieder von alleine verschwinden.

Bis zu einem gewissen Grad beeinflusst auch die Veranlagung, also die Gene, die Ängstlichkeit. Manche Menschen sind emotionaler, gewöhnen sich langsamer an neue Reize und/ oder reagieren schneller auf angstauslösende Reize als andere. Zu einem großen Teil wird uns das in den Genen mitgegeben. Dennoch sind wir diesen Anlagen nicht hilflos ausgeliefert, denn wir werden genauso durch unsere Umwelt beeinflusst. Und für unsere Kinder sind wir Eltern diese ausschlaggebende Umwelt. Mehr dazu weiter unten in den Tipps. Aber welche Ängste gibt es eigentlich bei Kindern?

Trennungsangst

Die Trennungsangst meint die Angst unserer Kinder jemanden zu verlieren. Diese Angst wird durch Trennung ausgelöst, also immer dann, wenn wir Eltern sich von unseren Kindern verabschieden. Sie sind häufig im Kindergartenalter, also zwischen 3 und 6 Jahren zu beobachten. Das hängt tatsächlich auch mit dem Eintritt in den Kindergarten zusammen, da sich Ihr Kind nun, mehr als zuvor, von Ihnen als Eltern trennen muss. Gleichzeitig muss es sich in einer größeren Gruppe eingewöhnen und ist in einer neuen Umgebung mit neuen Regeln und Herausforderungen. Das ist für unsere Kinder anstrengend und löst diese Trennungsängste aus.

Sozialisationsängste

In der ersten Phase können diese in eben beschriebenen Phase des Kindergartens gleichzeitig zu den Trennungsängsten auftreten. Da der Umgang mit neuen Kinder und noch dazu mit einer Gruppe unsere Kinder vor eine große Aufgabe stellt. 

Häufig zeigen sich diese Ängste in der Scheu und Zurückhaltung, mit fremden Personen in Kontakt zu treten. Unsere Kinder müssen nun lernen sich in eine Gruppe von Menschen zu integrieren, eigene Bedürfnisse und Wünsche auch mal hinten anzustellen und sich andererseits auch durchzusetzen. Diese Ängste kommen oftmals nachts heraus und wirken sich schlecht auf den Schlaf aus.

Später im Jugendalter treten erneute diese Sozialisationsängste auf. In der Jugend werden Gleichaltrige immer wichtiger und sind für unsere Teenager von großer Bedeutung. Dadurch entwickeln sich häufig hier Ängste davor, sich vor den anderen bloßzustellen und abgelehnt zu werden. Darum sind Teenager meist sehr auf Äußerlichkeiten bedacht und zum Teil erklärt es auch, warum wir Eltern unseren Jugendlichen so peinlich sind.

Fantasiewesenangst

Schon ab dem 3. Lebensjahr fangen unsere Kinder an sich magische Fantasiewesen auszudenken. Den Höhepunkt erreicht das mit ungefähr 5 Jahren. Unsere Kinder schaffen sich durch magische Fantasien Erklärungen für vieles, das in unserer Welt passiert und sie sich nicht anders erklären können. Dieses magische Denken produziert eben auch Fantasiewesen, die gut und böse sein können. Und gerade in der Nacht, wenn es dunkel ist, kommen die Gedanken an die bösen Gestalten vermehrt hoch. Und damit auch die Ängste vor diesen.

Versagensängste

Mit dem Schuleintritt kommt es dann manchmal zu Versagensängsten. Das kommt dadurch, dass unsere Kinder nun erstmal einen Leistungsvergleich erleben. Sie beginnen nun auch vermehrt, ihren Selbstwert über Leistung zu definieren. Das schürt die Angst bei Leistungen zu versagen. 

Reale Angst

Info

Angst vor konkreten Dingen, die eine wirkliche unmittelbare Bedrohung darstellen, nennt man genau genommen Furcht.

Diese Angst ist überlebenswichtig und schützt uns und unsere Kinder vor tatsächlichen Gefahren. Das müssen Kinder erst erlernen, in dem sie Erfahrungen sammeln und ihre eigenen Grenzen kennenlernen.

Ängste, die wir Eltern oder andere verursacht haben

Ängste sind sozusagen ansteckend. Wir Eltern geben Ängste oftmals an unsere Kinder weiter, da wir ihnen als Vorbild dienen. Sehen sie, wie Papa hysterisch schreit, wenn er eine Spinne sieht, nehmen unsere Kinder die Spinne als gefährlich war und beginnen über die Zeit sich auch davor zu fürchten. 

Aber auch Erlebnisse, in denen sich unsere Kinder hilflos und ausgeliefert fühlen, können Ängste verursachen. Zum Beispiel ein Pferd, das auf sie zu rennt.

Die ersten sichtbaren Ängste treten ab ca. 3 Jahren auf. 

Umgang mit Angst bei Kindern

Hier habe ich nun noch konkrete Tipps, was wir als Eltern tun können, um unsere Kinder bei Ihren Ängsten zu unterstützen

Achtung

 Motivieren ist gut, überfordern ist schlecht.

  • Nehmen Sie die Angst Ihres Kindes ernst
  • Versuchen Sie Ihr Kind beruhigen, indem Sie für ihn / sie da sind
  • Geben Sie Ihrem Kind Zeit und Raum um Fragen zu stellen, bieten Sie es auch aktiv an
  • Seien Sie ehrlich und aufrichtig bei einer Erklärung
  • Versuchen Sie Ihr Kind, mit dem Objekt der Angst zu konfrontieren, damit es positive Erfahrungen damit sammelt. Am besten gelingt das spielerisch.
  • Erzählen Sie oder lesen Sie Geschichten, in denen der Angstauslöser vorkommt und eine Heldenfigur gute Erfahrungen damit macht. Es gibt hierzu auch Bücher, wie "Wie kleine Kerle (wieder) ganz groß werden" (Werbung)*, die es in eine nette Geschichte verpacken, falls sie nicht so der Geschichtenerfinder sind.
  • Machen Sie mit Ihrem Kind Rollenspiele dazu, zum Beispiel auch mit Puppen oder Stofftieren
  • Basteln oder zeichnen Sie mit Ihrem Kind sein Monster vor dem es sich fürchtet
  • Erfinden Sie Beschützer, das Lieblingsstofftier, ein Traumfänger, ein Türschild oder Ähnliches
  • Erfinden Sie Mittelchen dagegen, wie einen Anti-Monster-Spray, einen magischen Spruch oder Ähnliches
  • In der Nacht empfiehlt sich ein Nachtlicht und die Tür zum Einschlafen einen Spalt offenzulassen
  • Erzählen Sie Ihren Kindern von Ihren eigenen Erfahrungen aus Ihrer Kindheit. Sie können auch anhand von Gefühlskärtchen (Werbung)* alle Emotionen erklären. Das lenkt den Fokus dann ein bisschen weg von der Angst und fördert die Emotionen und das Erkennen dieser gesamt.
  • Loben Sie Ihr Kind, wenn es sich bemüht und versucht, sich seinen Ängsten zu stellen. Das lässt sich auch gut mit einer Belohnungstafel (Werbung)* unterstützen. Das hebt den Erfolg zusätzlich.

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Mein Kind hat Angst vor Einbrechern

Auch die Angst vor Einbrechen ist bei Kindern keine Seltenheit und tritt meist ab ca. 4 Jahren auf. Kinder nehmen Gespräche wahr, fangen an sich mit richtig und falsch innerhalb der Gesellschaft und auch mit der Polizei zu beschäftigen. Aber natürlich sind Einbrecher und Diebe eine beliebte Figur in Filmen. Das beschäftigt unsere Kinder natürlich.

Vieles davon verstehen sie auch noch nicht. So kommt es zu Angst und hauptsächlich in Verbindung mit Dunkelheit. Da wir in Dunkelheit nicht so gut sehen und Geräusche hören, die wir tagsüber nicht bewusst hören, haben da besonders unsere Kinder die Vorstellung, dass alle Bösewichte die Dunkelheit abwarten und dann zum Vorschein kommen, da sie da hilfloser sind als tagsüber.

Erklären Sie Ihrem Kind auch hier alle Tatsachen und alle Maßnahmen, die Sie dagegen ergreifen. Besprechen Sie vielleicht auch Notfallpläne und natürlich die Rolle der Polizei als Helfer.

Mein Kind hat Angst vor allem

Nun zum Teil ist das, wie schon erwähnt, dem Temperament Ihres Kindes zuzuschreiben. Wahrscheinlich ist es empfindlicher auf Reize, tut sich vielleicht schwer, sich an neues zu gewöhnen und neigt dazu auf all das mit dem Gefühl Angst zu reagieren. Dennoch können Sie oben stehende Tipps beherzigen, um Ihr Kind an viele Reize zu gewöhnen und ihm / ihr so ermöglichen, dass es viele positive Erfahrungen sammelt.

Dadurch verringert sich die Angst und verschwindet schließlich bei vielen Sachen auch ganz. Einerseits weil die Reize nicht mehr neu und ungewöhnlich für sie sind, andererseits aber auch weil unsere Kinder schon einige gute Erfahrungen mit diesem Reiz in Verbindung bringen.

Wenn Sie ein sehr ängstliches Kind haben, ist es umso wichtiger, auf eine gute Eltern-Kind-Beziehung zu achten. Fühlt sich Ihr Kind bei Ihnen sehr sicher, traut es sich eher, die nähere Umgebung um Sie herum zu erkunden und sammelt so Erfahrungen über die Umwelt, über andere Menschen, aber vor allem auch über sich. Ihr Kind kann Sie so als sicheren Anlaufpunkt nutzen und wird mutiger. Mehr zum Thema sichere Bindung und was diese ausmacht habe ich hier für Sie zusammengeschrieben.

Hat Ihr Kind eine generelle Angst, ist Ihr Kind auch sehr viel mit diesem Thema beschäftigt. Das führt nicht nur zu den typischen Angstreaktionen, sondern vor allem auch längerfristig zu Schlafproblemen und Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten, da Ihr Kind so sehr mit Sorgen und angstbesetzten Gedanken beschäftigt ist.

Wenn Sie sich Sorgen machen, wenden Sie sich bitte an Ihren Kinderarzt. Dieser wird Ihnen genauere Informationen über Ihren individuellen Fall geben und wenn wirklich erforderlich empfehlen, Hilfe von außen (Klinische Psychologen oder Psychotherapeut zum Beispiel) aufzusuchen.

Angst beim Fernsehen

Auch digitale Medien können Ängste auslösen. In einer Befragung des IZI- Forschungsschwerpunktes Emotionen wurde bei BR-online festgestellt, dass die meisten Ängste von Filmen, die deutlich über der Altersfreigabe liegen. Aber auch Altersfreigaben-gerechte Filme können Angst bei Kinder erzeugen, da vor allem Zeichentrick und andere Angstmomente und Angstelemente unterschätzt werden.

Aber auch viele andere Trugschlüsse von uns Eltern führen zu einer Unterschätzung des Angstpotentials vieler Filme. Ein guter Schluss hebt zum Beispiel die vorangegangenen angstauslösenden Momente nicht auf. Aber auch unsere eigene Erinnerung ist ausschlaggebend, denn wir erinnern uns an Filme unserer Kindheit meist positiver als sie in Wirklichkeit für uns waren. Dadurch muten wir diese allerdings eher auch unseren Kindern zu. 

Achtung

Die Altersfreigabe von Filmen und Serien bedeutet nur, dass der Inhalt den Kindern nicht schadet. Allerdings ist das, anders als bei Büchern, von einer Empfehlung weit entfernt!

Fazit

Ängste sind nichts Unnatürliches. Sie begleiten Umstellungen und sind dadurch Teil des Lebens unserer Kinder und auch von uns.

Studien zeigen sogar einen Anteil von 10-30 Prozent für Kinder mit behandlungsbedürftigen Ängsten.

Es ist wichtig, dass Sie Ihrem Kind diese Ängste nicht absprechen und sie als lächerlich abtun, sondern dass Sie Verständnis für Ihr Kind uns dessen Angst aufbringen und versuchen ihm Möglichkeiten und Wege zu zeigen diesen zu begegnen.

Ihr psychologischer Ratgeber in Familien- und Beziehungssachen.
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