Was kann ich tun, wenn mein Kind schüchtern ist?

Schüchterne Kinder beobachten gerne aus sicherer Entfernung. Wir können ihnen aber helfen, ihre Ängstlichkeit zu überwinden, indem wir gemeinsam durch die Situation führen. Wie genau das gelingen kann? Dazu unten mehr.

Ursachen für Schüchternheit

Schüchternheit kommt aus unserer Amygdala. Also ein kleines mandelförmiges Hirnareal ist dafür verantwortlich. Bei schüchternen Menschen zeigt sich bei Untersuchungen viel stärkere Aktivitäten, wenn ihnen Neues gezeigt wird, als wenn ihnen etwas Bekanntes gezeigt wird. Schüchterne oder auch gehemmte Menschen schütten mehr Alarmbotenstoffe aus, die ihren Körper Gefahr signalisieren. Das ist bei Neuem und Unbekannten nicht ungewöhnlich. Aber bei schüchternen Menschen ist es um ein vielfaches mehr. Unsicherheit und Unbekanntes löst also Angst aus. Und unsere natürliche Reaktion ist Flucht oder zumindest in unserer heutigen Gesellschaft Rückzug.

Wie „empfindlich“ wir darauf reagieren ist tatsächlich vererbt, also von unseren Eltern abhängig.

Die vermeidliche Gefahrensituation macht sich auch im ganzen Körper bemerkbar. Die Herzfrequenz steigt, die Pupillen werden größer, der Blutdruck steigt und die Fingerspitzen kühlen deutlich ab. Deutliche Anzeichen für Angst. So bereitet sich unser Körper auf Flucht vor. Interessanterweise lassen sich diese Anzeichen schon bei Säuglingen feststellen, die später als schüchtern eingestuft werden.

Wie können wir unseren Kindern helfen, Schüchternheit zu überwinden?

Unser Erziehungsstil

Unser Erziehungsstil hat wesentlichen Einfluss auf den Umgang und die Ausprägung der Schüchternheit. Sichere Bindungen geben unseren Kindern den Rückhalt, den sie brauchen, auch wenn sie ängstlich sind.

Liebevoller emphatischer Umgang

Liebevoller emphatischer Umgang mit schüchternen Kindern in Stresssituationen ist enorm wichtig. Schimpfen oder erpressen erzeugen nur noch mehr Stress und Druck.

Reagieren Sie jedoch einfühlsam und liebevoll, flaut der Stress allmählich ab und ihr Kind kann sich besser auf die Situation einlassen. Tatsächlich wurde festgestellt, dass sich auch die körperlichen Auswirkungen, wie erhöhte Herzfrequenz und Puls, dadurch abschwächen.

Unterstützen Sie Ihr Kind

Unterstützen Sie Ihr Kind in solchen Situationen. Lassen Sie es nicht alleine, sondern begleiten Sie es durch die Situation. Machen Sie Vorschläge, wie Sie gemeinsam die Situation meistern können.

Also zum Beispiel, wenn das Ziel lautet: In einen Raum mit mehreren Menschen hineingehen und grüßen. Kann unterteilt werden in viele kleinere Aufgaben, die nicht alle sofort und gleichzeitig erlernt werden müssen. Zuerst können Sie da mit Ihrem Kind üben, gemeinsam den Raum zu betreten und noch etwas abwarten, bis sie gemeinsam weitergehen.

Erst, wenn das gut gelingt und sich Ihr Kind wohlfühlt, probieren Sie es mit alleine hineingehen. Wenn das passt, dann mit gemeinsamen grüßen. Also, auch wenn Sie schon immer grüßen, fordern Sie nun Ihr Kind aktiv dazu auf mitzumachen. Das kann am Anfang vom Kind ruhig leise sein. Wenn es sich dann wohlfühlt, wird es von alleine lauter. 

Tipps wie Sie Ihr Kind am besten motivieren finden Sie in diesem Artikel.

Seien Sie ein Vorbild

Sie sollten natürlich mit gutem Beispiel vorangehen. Besonders wenn Sie selbst schüchtern sind, sollten Sie darauf achten. Kinder lernen sehr viel von uns Eltern nur durch Beobachten.

Fordern Sie Ihr Kind

Umgehen Sie herausfordernde Situationen nicht und „ersparen“ Sie Ihren Kindern solche Aufgaben nicht. Auch wenn es gut gemeint ist, würde es das schüchterne Verhalten Ihres Kindes nur verstärken. Es verhindert nämlich vor allem, dass Ihr Kind positive Erfahrungen sammelt.

Achten Sie auf Ihr Kind

Seien Sie aufmerksam und reagieren Sie unmittelbar auch auf kleine Anzeichen Ihres Kindes. Meist zeigen unsere Kinder schon vorab leichte Anzeichen von Unbehagen. Beobachten Sie Ihr Kind genau.

Damit können Sie in „heiklen“ Situation Ihr Kind rasch unterstützen und auch schon vorab gut vorbereiten. So wissen Sie außerdem, wo die Grenzen Ihres Kindes liegen und wie viel Stress in welchen Situationen zumutbar ist und wann Sie besser einschreiten sollten. 

Dennoch sollten Sie Ihrem Kind ruhig etwas zutrauen. Wenn Sie die Grenzen und die Anzeichen dafür kennen, fällt es Ihnen leichter, passend zu reagieren.

Achten Sie auf Ihr Verhalten

Ziehen Sie das Verhalten Ihres Kindes nicht ins Lächerliche und nehmen Sie es ernst. Sie würden so nur das Vertrauen und Ihre Beziehung belasten.

Folgen von Schüchternheit

Die Folgen von Schüchternheit sind sehr vielfältig. Auf jeden Fall schränkt Schüchternheit die sozialen Kontakte aufgrund sozialer Ängste ein. Wir vermeiden viele Situationen, in denen es zu sozialen Kontakten kommt und es werden auch nur ausgewählte Situationen erlebt. Das heißt, durch Schüchternheit ist unser Leben dermaßen beeinflusst, dass uns auch viel Schönes entgeht. Und das nur, weil wir vermeintlich Schlechtes vermeiden wollen.

Studien zeigten, dass schüchterne Kinder auch eher von anderen Kindern abgelehnt werden. Sie tun sich schwerer, Freunde zu finden und werden auch häufiger ausgeschlossen.

Das kann sich auch auf die Schule auswirken. Denn die Schule wird immer mehr zum Angstfaktor. Das hat natürlich dann Auswirkungen auf den Lernerfolg. In weiterer Folge kann es für unsere Kinder so weit kommen, dass sie schließlich auch die Schule meiden wollen.

Es kann auch zu aggressiven Verhalten oder starken Rückzug kommen. In Extremfällen auch zu Depressionen, Drogen- oder Alkoholmissbrauch und im schlimmsten Fall auch zu Selbstmord. Besonders Jugendliche sind hier gefährdet.

Mehr über schulische Auswirkungen von Schüchternheit können Sie in dieser Arbeit nachlesen.

Fazit

Auch, wenn wir Schüchternheit in unseren Genen haben, sind wir dieser nicht hilflos ausgeliefert. Es erfordert Mut und Ausdauer, Schüchternheit nachhaltig zu überwinden. Aber gemeinsam im sicheren Rahmen können Sie diesen Charakterzug wunderbar so bearbeiten. So werden Ihre Kinder zu starken, selbstbewussten Menschen.

Ihr psychologischer Ratgeber in Familien- und Beziehungssachen.
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