Wie kann ich mein Kind bestrafen?

Eine Frage, die sich viele Eltern immer wieder stellen. Auch mit den besten Vorsätzen und den 1000sten Erziehungstipps. Manchmal schimpfen wir Eltern. Wir wissen nicht mehr weiter und haben das Gefühl, dass unsere Kinder nur auf uns „hören“, wenn wir schimpfen.

Wie sollen wir Eltern Konsequenzen setzen, wenn unser Kind wieder und wieder nicht auf uns hört und ständig weiter macht mit einem bestimmten Fehlverhalten? Nun ja, die Antwort ist einfach: Schimpfen. Aber so, dass wir unsere Kinder nicht dabei verletzen. Mehr über die Hintergründe und ein paar Tricks, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Wie bestrafe ich mein Kind, wenn es nicht hört?

Eines ist klar, wenn sich unsere Kinder die Regeln brechen, dann sollte das auch Konsequenzen haben. Allerdings zählt, dass auf die Eltern nicht hören, in vielen Fällen gar nicht dazu. Es bringt uns Eltern einfach nur auf die Palme und macht uns wütend. Wir sagen, bitten, erinnern unsere Kinder zigmal am Tag und es geschieht einfach nichts. Das klassische: Wir reden uns den Mund fusselig. Und da wir selbst auch nur begrenzte Geduld aufbringen können, fangen wir schließlich zum Schimpfen an. Das ist ganz normal und eine verständliche Reaktion. In diesem Fall müssen wir uns etwas einfallen lassen, wie wir von unserem Kind wahrgenommen werden. Hier empfehle ich, die tatsächliche, physische Distanz zu verringern und die Aufmerksamkeit aktiv von unseren Kindern einzufordern.

Im anderen Fall, wenn unsere Kinder eine Regel brechen, sieht das natürlich anders aus. Das Brechen von Regeln hat Konsequenzen, das ist überall so. Nur manchmal neigen wir Eltern natürlich dazu, unseren Kindern diese Konsequenzen abzunehmen und zu ersparen. Da wir sie ja beschützen wollen.

Allerdings tun wir unseren Kindern damit in den meisten Fällen langfristig keinen Gefallen, sondern wir nehmen ihnen Lernerfahrung. Unsere Kinder „müssen“ selbst erfahren, was passiert, wenn sie trotzdem auf eine Brennnessel greifen oder wenn sie auf einem steinigen Weg zu schnell laufen.

Aber: nur solange sie sich selbst und andere nicht gefährden oder die Grenzen anderer überschreiten. Natürlich können wir nicht unsere Kinder schreiend und tobend durchs Restaurant laufen lassen, nur damit sie vielleicht später merken, dass das unpassend ist und andere stört. Hier würden die Grenzen anderer massiv überschritten. Das heißt, in diesen Fällen müssen wir den natürlichen Konsequenzen vorgreifen und selbst welche setzen. Wie Konsequenzen aussehen sollten, verrate ich weiter unten.

Achtung
Regeln sollten konkret formuliert und klar mitgeteilt werden. Regeln, die keiner kennt, können nicht bestraft werden. In diesem Fall gilt für unsere Kinder: „Unwissenheit schützt vor Strafe“.

Wie bestrafe ich mein Kind, wenn es mich schlägt?

Physische Gewalt ist natürlich für beide Seiten, Eltern und Kind, inakzeptabel und muss sofort beendet werden. Ein lautes „Stopp“ und wenn nötig ein schnelles Unterbinden des Schlagens und jeder anderen Aggression ist hier notwendig. Und natürlich hat es Konsequenzen, wenn Ihr Kind jemanden schlägt, auch Sie.

Ganz klar braucht es hier vier wesentliche Eckpfeiler:

  • Klare Strukturen und Routinen
  • Präsenz und ehrliche aufmerksame Sorge
  • Unterstützung und Begleitung
  • Frustrationstoleranz und Deeskalation

Mit diesen vier wichtigen Grundstützen kann es uns als Eltern, gemeinsam mit unseren Kindern gelingen, den Ursachen auf den Grund zu gehen und aktiv gegen die häusliche Gewalt von unseren Kindern etwas zu tun. Meist ist das ein sehr Scham besetztes Thema und nur wenige Eltern holen sich Hilfe und Unterstützung. Allerdings sei hier gesagt, dass sich das bei Kindern ab dem Schulalter nicht von allein gibt. Suchen Sie hierzu Hilfe bei Dipl. Psychologen, Familienberatungsstellen oder Sozialarbeitsstellen in Ihrer Nähe.

Kinder unter 6 Jahre beherrschen ihre Emotionen und Gefühlsausbrüche noch nicht. Sie müssen es erst lernen. Aber auch dabei tut ihnen Unterstützung und Hilfe von uns Eltern oder auch anderen gut. Besonders natürlich, wenn es absehbar ist, dass sie sich mit ihren Gefühlen schwertun.

Folgendes kann Sie beim Üben der Emotionen mit Ihrem Kind unterstützen:

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Gefühlskarten (Werbung): Diese Karten zeigen verschiedene Gefühle, mithilfe denen Sie mit Ihrem Kind das Erkennen und den Umgang damit üben können.

Wutmonster (Werbung): Dieses Plüschtier dient Ihrem Kind zum Abreagieren oder auch als Verbündeter bei Auszeiten.

Ich und meine Gefühle (Werbung): Dieses Buch verbildlicht Gefühle und den passenden Umgang damit. Auch zeigt es, dass alle Gefühle in Ordnung sind und bietet so einen zusätzlichen Ansatzpunkt zum Üben und Besprechen.

Konsequenzen setzen

Strafen oder auch negative Konsequenzen können als natürliche Folge von Verhalten auftreten oder eben als Strafe von außen auferlegt werden. Uns Eltern muss klar sein, dass Strafen natürlich auf Widerstand stoßen und zu einer negativen Reaktion führen werden. Aber es gibt mit unten angegebenen Punkten die Möglichkeit, Konsequenzen und Strafen so dazustellen und festzulegen, dass sie besser aufgenommen werden als komplett willkürliche Strafen. Diese werden dann meist als besonders unfair empfunden und komplett abgelehnt.

Konsequenzen sollten:

  • Klar und deutlich formuliert sein
  • am besten vorab vereinbart sein
  • wenn möglich, gemeinsam vereinbart werden
  • durchführbar sein
  • so schnell wie möglich umgesetzt werden
  • für alle nachvollziehbar sein
  • im Zusammenhang stehen
  • nah an den natürlichen Konsequenzen festgemacht sein
  • nicht entwürdigen
  • nicht bloßstellen

Harte Strafen für Kinder

Es ist auch wichtig, dass Strafen objektiv angemessen sind. Natürlich gibt es immer den ein oder anderen Bereich bei uns selbst, der uns mehr ärgert und uns unverhältnismäßig wütender macht als andere. Gerade bei solchen Situationen oder wenn wir selbst überfordert und überrascht sind, neigen wir zu Überreaktion und somit zu harten Strafen.

Unsere Kinder, egal welchen Alters, werden diese schlecht annehmen und als unfair erleben. Das führt im Weiteren dazu, dass die Konsequenzen einfach ignoriert und nicht umgesetzt werden, aber auch, dass sich unsere Kinder hilflos fühlen. Das strapaziert dann unsere Eltern-Kind-Beziehung und das gegenseitige Vertrauen natürlich zusätzlich.

Auch wir Erwachsene wünschen sich Verlässlichkeit und Planbarkeit. Und das wollen und brauchen auch unsere Kinder, so komisch es auch klingt, auch bei Strafen und Konsequenzen. Schließlich ist es ja oft auch ein Teil der Selbstständigkeit und er Autonomie, dieses ausprobieren und Grenzen testen. Wir und unsere Kinder versuchen damit zu erlernen, wie weit wir gehen können und was passiert. Dieser Zusammenhang prägt also unsere Erfahrung, unser Lernen und unser Wissen um das Miteinander.

Hat das ein und dasselbe Verhalten manchmal sehr harte Konsequenzen und das nächste Mal milde, ist dieser Lernprozess natürlich nicht beendet und erfordert es, „mehr Daten zu sammeln“. Wir dürfen dabei auch nicht vergessen, dass unsere Kinder das auch bei anderen Leuten wahrscheinlich ausprobieren. Und auch wenn wir jedes Mal hart darauf reagieren, haben sie unter Umständen sie Erfahrung gemacht, dass es bei anderen mildere Konsequenzen hat. Und dies verunsichert einerseits und fordert heraus andererseits.

Was Eltern nie zu ihrem Kind sagen sollten

Es gibt auch Aussagen und Drohungen, die schlichtweg Tabu für uns Eltern sein sollten. Und dazu zählt auf jeden Fall, alles, was unsere Kinder in ihren wesentlichen Grundbedürfnissen bedroht. Die physische Sicherheit, die Geborgenheit und Liebe, aber auch die Bindungssicherheit zum Beispiel. „Dann habe ich dich nicht mehr lieb“ oder „Das war wirklich dumm von dir“ sind Sätze, die unsere Kinder in ihren Grundfesten erschüttern können.

Wenn sie sich unserer Liebe nicht sicher sein können, ist jeglicher Halt und jegliche Sicherheit weg. Aber auch ihren Selbstwert sollten wir nicht zusätzlich noch angreifen und unsere Kinder heruntermachen und demütigen. Das ist ein meist bloßer Frustabbau unsererseits und bringt unserem Kind rein negative Folgen. Es ist in dem Sinn auch keine Strafe, sondern bloß ein kränken und verunsichern. Solche Sätze und Ähnliche sollten wir also einfach weglassen.

Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, wie Sie mit Ihrem Kind „richtig“ schimpfen, also ihre Meinung kundtun, ohne ihr Kind zu verletzen oder dem Selbstwert und der Bindung zu schaden, möchte ich Ihnen meinen „kleinen Schimpfguide“ ans Herz legen. Hier erfahren Sie, wie Sie so schimpfen können, dass es positive statt negative Folgen für Sie und Ihr Kind hat.

Fazit

Auch, wenn das heutige Optimum ist, eine streitfreie und straffreie Umgebung für unsere Kinder zu schaffen, sieht die Realität doch mehrheitlich anderes aus. Wir können uns noch so sehr bemühen, irgendwann wird es uns zu viel. Das ist verständlich und nachvollziehbar. Dennoch sollten wir in diesen Situationen darauf achten, uns rasch wieder zu sammeln und klar und vernünftig zu handeln, um später unseren Kindern gegenüber nichts zu bereuen.

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