Können Kinder untragbar für den Kindergarten sein?

Immer wieder hört man von Kindern, die aus dem Kindergarten rausfliegen, mit der Begründung, sie seien untragbar. Aber gibt es das wirklich und wie kann man das verhindern?

Zunächst mal: Ja, Kinder können untragbar sein und Ihnen kann der Kindergartenplatz gekündigt werden, wenn das Verhalten Ihres Kindes dermaßen unangebracht ist und den normalen Kindergartenalltag wiederholt so stört, dass kein gewohnter Ablauf möglich ist. Oder Ihr Kind wiederholt andere oder sich selbst verletzt, ohne auf Gegenmaßnahmen zu reagieren, dann gilt das als untragbar. Aber es gibt einiges, was man dagegen tun kann. Lesen Sie hier Details.

Kann man Kinder aus dem Kindergarten werfen oder sie suspendieren?

Ja, in Deutschland und Österreich können Kinder ihren Kindergartenplatz verlieren oder vorübergehend suspendiert werden. Die Begründung des Kindergartens lautet oft: „Untragbares Verhalten im Kindergarten“ oder ähnlich. Es nennt sich Sonderkündigungsrecht und steht meist im Betreuungsvertrag mit dem Kindergarten.

Eigentlich sollte zumindest bei einer Kündigung schon vorab einige Besprechungen zwischen Ihnen und dem Kindergarten gegeben haben. Ein einmaliges Problem stellt eigentlich keinen Kündigungsgrund dar. Aber dazu sollten Sie sich besser Hilfe bei Ihrem zuständigen Amt holen.

Was auf jeden Fall wichtig ist, dass Sie versuchen, mit dem Kindergarten zu kooperieren und wenn sich abzeichnet, dass Ihr Kind Schwierigkeiten im Kindergarten hat, so rasch wie möglich das Problem ansprechen. Versuchen Sie, einen gemeinsamen Weg mit dem Kindergarten zu finden. Das stimmt erstens die Pädagogen besser und zweitens hilft es Ihrem Kind. Auch wenn Sie das Problem vielleicht nicht sehen, gibt es trotzdem eines im Kindergarten. Das kann viele unterschiedliche Gründe haben (diese finden Sie weiter unten beschrieben). Darum ist es ratsam, rasch und gemeinsam mit dem Kindergarten zu handeln, um so Ihrem Kind den Kindergartenalltag zu erleichtern und so viele schöne Erfahrungen zu ermöglichen.

Viele Eltern fühlen sich zunächst angegriffen und schalten in den Verteidigungsmodus. Das ist natürlich und auch verständlich. Dennoch sollten Sie versuchen, sich selbst zurückzunehmen und offen für andere Sichtweisen sein. Das ebnet den Weg für einen konstruktiven Austausch und hebt die Wahrscheinlichkeit für eine gute Lösung für alle.

Mein Kind benimmt sich im Kindergarten nicht

Viele Eltern haben das Problem, dass sich ihr Kind im Kindergarten anderes benimmt als zu Hause, nämlich deutlich schlechter. Das kann mehrere Ursachen haben:

  • Ihr Kind ist überfordert damit, in einer Gruppe zu sein
  • Ihr Kind ist mit den Anforderungen im Kindergarten noch überfordert
  • Ihr Kind kann sich noch nicht so gut von anderen abgrenzen
  • Ihr Kind hat Probleme mit der Aufmerksamkeit
  • Es gibt Probleme mit dem Kindergartenpädagogen/ der Pädagogin

Die Gründe sind sehr vielfältig. Vielfach ist es der Fall, dass Ihr Kind mit etwas überfordert ist. Es ist ihm/ihr zu viel und er/sie kompensieren diesen Druck mit auffälligem Verhalten. Sie müssen sich vorstellen, dass es für unsere Kinder meist eine enorme Anstrengung bedeutet, sich mehrere Stunden in einer großen Gruppe anderer Kinder auf recht engen Raum zurechtzufinden. Viele Kinder brauchen einfach längere Zeit, um sich alle nötigen Fähigkeiten anzueignen, um sich in dieser Situation wohlzufühlen.

Zunächst findet durch den Eintritt in den Kindergarten der erste größere Ablösungsprozess von uns Eltern für unsere Kinder statt (Viele Informationen rund um den Kindergarten finden Sie in diesem Artikel). Außerdem ist es meist das erste Mal, dass sie in einer großen Gruppe anderer sind. Auch, wenn Ihr Kind zuvor schon eine Krippe besucht hat, ist der Kindergarten noch einmal was ganz anderes. Alle Kinder müssen sich hier erst einfinden, den Platz in der Gruppe finden, die Pädagogen als Vertrauensperson akzeptieren. Auch die meisten Regeln sind für unsere Kinder neu.

Wenn wir zu Hause mit ihnen wegräumen oder die Jause holen, sind diese Regeln in der Gruppe mit anderen Kindern nochmals eine ganz andere, große Herausforderung für unsere Kinder. Und Herausforderungen bedeutet Anstrengung, Stress und auch etwas Unsicherheit für unsere Kinder.

Das alles verursacht bei unseren Kindern oft Unbehagen und das führt oftmals zu Verhalten, dass wir als schlimm bezeichnen. Eigentlich drückt es Stress und / oder Überforderung aus. Dennoch ist dieses Verhalten natürlich ein Problem für Sie, für den Kindergarten und für Ihr Kind. Was können Sie also tun?

Mein Kind schlägt im Kindergarten

Gerade schlagen ist im Kindergarten oft ein Thema. Ihr Kind versucht sich wahrscheinlich so gegenüber anderen zu wehren oder sich durchzusetzen. 

Unsere Kinder müssen erst lernen, wie sie das am besten machen. Ganz viele versuchen es zuerst mal mit schlagen. Das ist zwar nicht unnatürlich, dennoch nicht in Ordnung, da es damit andere Kinder verletzt und früher oder später so auch selbst verletzt werden wird. Die häufigste Reaktion aufschlagen ist nämlich zurückschlagen. 

Am besten Sie reden mit der Kindergärtnerin bzw. dem Kindergärtner, damit sie Ihrem Kind auf die gleiche Art und Weise helfen, einen anderen Weg sich zu wehren zu erlernen. Je früher Sie damit anfangen, umso besser. Einmal angewöhnte Verhaltensweisen brauchen oft recht lange, um sie umzulernen. 

Wir sollten hier immer in der Situation direkt handeln, durch ein „Stopp“ und dann, wenn sich Ihr Kind beruhigt hat, natürlich die Situation nachbesprechen. Warum ist das passiert, hat sich Ihr Kind geärgert, hatte es Angst oder war es vielleicht traurig und was sollte es das nächste Mal anders machen. Außerdem können Sie zu Hause mit Ihrem Kind die Situation spielerisch üben. Mehr dazu und ein gratis Download habe ich in diesem Artikel für Sie zusammengefasst.

Wie kann man Kinder im Kindergarten integrieren?

Dass Kinder Teil der Gruppe sind, ist wesentlich, damit sie sich besser und leichter von ihren Eltern lösen können und sich in der Gruppe wohlfühlen. Manchmal gelingt das nicht gleich auf Anhieb und Ihr Kind hat Schwierigkeiten, sich in die Gruppe einzugewöhnen (Separate Information zur Eingewöhnung). Hier ein paar Tipps, was Sie dagegen tun können:

Beobachtung

Hat ein Kind Schwierigkeiten sich zu integrieren und fällt des immer wieder durch unangepasstes Verhalten auf, empfiehlt es sich zunächst, die genaue Ursache herauszufinden. Das ist am leichtesten, wenn im Kindergarten ein Beobachtungsprotokoll geführt wird. Eventuell auch zu Hause, wenn ähnliche Verhaltensweisen zu Hause auftreten.

Dabei ist zu beachten:

  • In welcher Situation tritt das Verhalten auf? In der Gruppe, beim Turnen, bei Streit, beim gemeinsamen Spiel, im Sitzkreis …
  • Tritt es in Verbindung mit bestimmten Personen auf?
  • Tritt es zu bestimmten Zeiten auf? Vor der Jause, vor dem Mittagessen, nach langer Konzentration?
  • Gibt es eine belastende Situation im Kindergarten oder Familie?
  • Welche Fähigkeit sollte das Kind üben, um in dieser Situation besser zurechtzukommen
  • Welche Maßnahmen können im Kindergarten gesetzt werden, um die Situation zu bessern?
  • Welche Maßnahmen können zu Hause gesetzt werden?

Maßnahmen planen und durchführen

Eltern und Pädagogen sollten sich einig über die Maßnahmen sein, welche dem Kind helfen sollen. Danach sollte man festlegen, welche Abfolge es gibt und wo die Maßnahmen durchgeführt werden (zu Hause oder im Kindergarten)

Eltern und Pädagogen Gespräch

Vorher und in regelmäßigen Abständen sollten sich Pädagogen und Eltern austauschen. Um die Lage zu analysieren und Informationen auszutauschen. So kann noch besser und genauer auf die Situation eingegangen werden.

Es ist auch gut, wenn die Eltern wissen, was im Kindergarten passiert. Auch die ganz alltäglichen Sachen, damit es nicht zwei getrennte Lebensbereiche sind, sondern auch unsere Kinder sehen, dass sich diese überschneiden und ineinandergreifen.

Einzelmaßnahmen

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Je nachdem, ob das Kind Förderung in einzelnen Gebieten, wie soziales Miteinander, Konzentration, Frustrationstoleranz, Feinmotorik usw. benötigt, kann das gleichzeitig Zuhause mit den Eltern oder durch Inanspruchnahme von Dienstleistungen, wie psychologische Beratung, und im Kindergarten durch die Pädagogen oder Sonderpädagogen, erfolgen.

Zum Fördern der sozialen Kompetenz gibt es eine gute Projektmappe: Ich & Du (Werbung). Diese enthält viele praktische Möglichkeiten, das Thema Freunde, Streit, Umgang mit anderen aus allen Blickwinkeln betrachtet aufzugreifen und rasch im Alltag umzusetzen.

Achtsamkeit kann hier zusätzlich helfen. Gefühle und Anzeichen bewusst wahrnehmen und handhaben, ist ein Grundbaustein der Emotionskontrolle. Das lässt sich gut mit Gefühlskarten zur Achtsamkeit üben (Werbung). Beide sind für zu Hause und Kindergarten sehr empfehlenswert.

Sich von anderen abgrenzen kann sehr gut im Kindergarten geübt werden, aber auch zu Hause besprochen und spielerisch mit Stofftieren oder Puppen geübt werden. Hier gibt es zum Beispiel als guten Anreiz den Grolltroll, sogar mit Buch (Werbung).

Gruppenmaßnahmen

Aber auch Maßnahmen in der Kindergartengruppe selbst sind oft sinnvoll. Zum Beispiel, wenn es um Gewalt geht. Häufig gibt es Gewaltprävention oder für andere Probleme, Förderung der Gruppendynamik, gewissermaßen Teambuilding für den Kindergarten und noch vieles mehr. Alles, was dazu beiträgt, alle Kinder in die Gruppe zu holen und bei den Kindern das Gemeinschaftsgefühl stärkt.

Das Buch 140 Spiele und Übungen zum sozialen Lernen (Werbung). Dies kann gut mit der ganzen Gruppe, aber auch im Einzelnen zu Hause gemacht werden.

Viel kostenlose Anregungen für Gruppenspiele finden Sie auf folgenden Seiten:

Gruppenspiele bei Kita.de

Gruppenspiele bei Kinderspiele Welt

Kooperationsspiel Kita turnen

Kommunikationsspiele Praxis Jugendarbeit

Kooperationsspiele auf Vlamingo

Fazit

Versuchen Sie immer für ein Gespräch und eine andere Meinung und Sichtweise offen zu sein. Auch, wenn es nicht Ihrer Meinung entspricht und Sie sich ärgern. Offene Gespräche und Austausch sind einfach enorm wuchtig für Sie und Ihr Kind. Gemeinsam kommen Sie und der Kindergarten so wahrscheinlich viel weiter als alleine. Gerade wenn das Problem so schwerwiegend ist, dass eine Suspension oder Kündigung im Raum steht.

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