Mein Kind nennt mich nicht mehr Mama

Ein Problem, das häufig im Jugendalter unserer Kinder auftritt. Es ist eine Auswirkung der Ablösung unserer Kinder von uns Eltern. Das ist einerseits gut, weil dies das Ziel der Jugendjahre ist und andererseits hat Ihr Kind einen Weg gewählt, der Sie verletzt.

Lesen Sie hier mehr über die Hintergründe und wie Sie das ändern können.

Warum nennt mich mein Kind nicht mehr Mama?

Gerade in der Pubertät und im Jugendalter gibt es viele Streitpunkte mit unseren Kindern.   Die größte Problematik sind dabei die unterschiedlichen Erwartungen unserer Kinder und von uns. 

Infobox
In der Jugend wollen und müssen unsere Kinder immer mehr selbstständig werden.

Der größte Streitpunkt ist dabei die Zeit für das selbstbestimmte Handeln. Meist wollen unsere Kinder schon viel früher dieses oder jenes entscheiden als wir es für richtig halten.

Je nachdem wie viel Freiheit wir ihnen lassen und wie selbstständig unsere Kinder in der Realität sind, desto stärker oder schwächer fällt ihre Rebellion aus.

Und genau hier kann die Ursache dafür liegen, dass Ihr Kind nicht mehr Mama zu Ihnen sagt.

  1. Es ist sehr stark an Sie gebunden.
  2. Ihr Kind ist noch eher unselbstständig und 
  3. bräuchte eigentlich in vielen Dingen noch Ihre Unterstützung.
  4. Ihr Kind überschätzt seine eigenen Fähigkeiten zum selbstständigen Handeln.
  5. Es hat ein Alter erreicht, in dem es sich aus der bisherigen abhängigen Eltern-Kind-Beziehung lösen will.
Resultat
Ihr Kind versucht mit allen Mitteln sich eine selbstständige Identifikation aufzubauen.

Was macht es mit Ihnen, dass Sie Ihr Kind beim Vornamen nennt?

Im Prinzip ist es kein Problem, dass Ihr Kind Sie beim Vornamen nennt, außer es verletzt Sie. In zahlreichen Beratungen habe ich die Erfahrung gemacht, dass es einigen Eltern egal ist, viel sich aber auch respektlos behandelt fühlen. Sie sind auch oft gekränkt. Schließlich sind meist wir Mütter auch einfach stolz darauf, die Mama unserer Kinder zu sein und wollen so ”geehrt” dafür werden.

Dahinter steckt auch ein bisschen die Angst, unsere Kinder zu verlieren. Oder zumindest die Kontrolle über Sie. Auch wenn viele von Ihnen jetzt denken, dass Sie ja Ihr Kind gar nicht kontrollieren oder starke Macht ausüben, ist es trotzdem dieses Gefühl, das uns Müttern oft Angst macht. ”Mein Kind entgleitet mir und wer weiß was dann passiert.” 

Wir merken, dass der Ablösungsprozess begonnen hat oder vielleicht auch schon weit fortgeschritten ist. Aber wir trauen es unseren Kindern nicht zu oder wir wollen es nicht. Vielleicht auch beides. Das mag jetzt hart klingen, meiner Erfahrung nach steckt das aber oft dahinter.

Es ist auch nicht unnatürlich. Wir lieben unsere Kinder und wollen sie beschützen. Achten Sie nur darauf, dass Sie nicht über beschützend sind und Ihr Kind zurückhalten. Unterschätzen Sie es nicht. Aber hier sind wir auch schon beim nächsten Punkt.

Was können Sie tun, wenn Ihr Kind Sie beim Vornamen nennt

  • Wenn es Sie verletzt, sagen Sie das Ihrem Kind.
  • Unterstellen Sie Ihrem Kind keine böswillige Absicht.
  • Versuchen Sie ein ruhiges Gespräch auf Augenhöhe mit Ihrem Kind zu führen.
  • Klären Sie mit Ihrem Kind, welche Erwartungen es an Sie hat, welche Bedürfnisse es hat.
  • Machen Sie sich Gedanken über Ihre Erwartungen an Ihr Kind
  • Formulieren Sie Ihre Erwartungen klar und deutlich in Bitten und achten Sie darauf Ihrem Kind keine Vorwürfe in diesem Gespräch zu machen, sondern äußern Sie rein Ihre Gefühle.
  • Lassen Sie Ihrem Kind seine Selbstständigkeit und lassen Sie Ihr/ihm auch eigene Fehler machen.
  • Reden Sie mit Ihrem Kind eventuell auch über beidseitigen Respekt und wie Sie zu der Veränderung im Nennen Ihres Namens stehen.
  • Klären Sie das in einem Vieraugengespräch und nicht vor anderen.
  • Hören Sie Ihrem Kind wirklich zu und lassen Sie seine Sichtweise und Standpunkte zu und versuchen Sie auch den Standpunkt Ihres Kindes nachzuvollziehen.
  • Wenn es für Sie in Ordnung ist, versuchen Sie einen Kompromiss der für beide in Ordnung ist zu finden. (Zum Beispiel: dass er/ sie Sie nur unter außerhalb der Familie beim Vornamen nennt oder Sie andere Zugeständnisse ”im Austausch” machen)

Fazit

Es mag uns Eltern nicht leicht fallen unsere Kinder durch die Pubertät und die Jugendjahre zu begleiten. Allerdings ist es für auch für sie schwierig, turbulent und anstrengend. Im Sinne der Identitätsfindung ist es ratsam unseren Kindern so viele Erlebnisse und Freiheiten wie möglich zu bieten.

Dennoch sollten wir für sie unterstützend da sein und ihnen Hilfe anbieten, wenn sie diese brauchen und wollen. Gemeinsames Erarbeiten von Zielen, Wegen oder auch Alternativen fördert die Eltern-Kind-Beziehung und unterstützt die Veränderung, welchen diese nun unterworfen ist.

Wenn Sie mehr zu Jugend und Identitätsfindung lesen wollen, habe ich in einer Arbeit der Universität Hildesheim umfangreiche Informationen für Sie gefunden.

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