Wann sollten Kinder ins eigene Zimmer?

Es gibt zahlreiche Informationen, ob und wann ein Baby oder Kleinkind in einem separaten Raum schlafen sollte. In diesem Artikel finden Sie den aktuellen Stand der Forschung und die Informationen, die Ihnen helfen sollen, Ihre persönliche Entscheidung zu treffen.

Ab dem 6. Monat kann das Kind ins eigene Zimmer. Die folgenden Hauptpunkte gilt es zu beachten:

  • Ab 6 Monaten sinkt das Risiko für den plötzlichen Kindstod.
  • Kinder schlafen im Zimmer der Eltern schlechter als im eigenen.
  • Die psychische Entwicklung ist beiden Varianten gleich.
  • Im eigenen Zimmer lernen die Kinder, sich selbst zu beruhigen.

Detailliertere Informationen finden Sie im nachfolgenden Artikel.

Was gilt es zu beachten?

Wann soll unser Kind ins eigene Zimmer? Das ist eine schwierige Entscheidung, die wohlüberlegt sein will. Wir können diese Entscheidung nicht eben nach Lust und Laune ändern. Das eigene Zimmer wird zur Routine unseres Kindes. Hier erfahren Sie die Eckpunkte, die Ihnen bei der Entscheidung helfen sollen. Zusätzlich werden die Vor- und Nachteile von Co-Sleeping und dem eigenen Zimmer beleuchtet.

So viel vorab: egal, wofür Sie sich entscheiden, es muss für Ihr Kind passen, aber unweigerlich auch für Sie und Ihren Partner.

Die Basis der bestehenden Empfehlung

Die Empfehlungen zum Schlaf mit dem Baby basieren auf den Empfehlungen der amerikanischen Akademie der Kinderärzte (American Academy of Pediatrics – AAP). In dieser Empfehlung geht es grundsätzlich um die Minimierung des Risikos für den plötzlichen Kindstod.

Diese Empfehlungen basieren auf den Ergebnissen zahlreicher Studien und umfassen auch Informationen zum Stillverhalten, zu den Liegeoberflächen, die Verwendung von Schnullern und viel mehr.

Eine Empfehlung betrifft, wann Kinder frühestens ins eigene Zimmer sollten. Hier wird empfohlen, dass Kinder mit einem Jahr ins eigene Zimmer können. Frühestens jedoch mit 6 Monaten.

Idealerweise ab einem Jahr / frühestens ab 6 Monaten

Durch diese Empfehlung soll das Risiko des plötzlichen Kindstods vermindert werden.

Die möglichen Vorsichtsmaßnahmen für die SIDS Vorsorge finden Sie zum Beispiel auf geps.de oder auf sids.at.

Im selben Bett oder nur im selben Zimmer?

Ein Punkt bedarf vielleicht eine genauere Erklärung. Oft wird Co-Sleeping mit dem Familienbett gleichgesetzt. Die beiden Begriffe sind aber nicht das Gleiche.

Der Begriff ist ein Überbegriff und es gibt 2 Varianten des Co-Sleepings:

  • Das Kind schläft im Bett der Eltern (Familienbett).
  • Das Kind schläft im gleichen Raum in der Nähe der Mutter.

Dieser Punkt ist sehr wichtig. Denn im Familienbett ist nämlich das Risiko für SIDS höher als im eigenen Bett.

Im Familienbett ist das SIDS Risiko erhöht.

Im Zimmer der Eltern schlafen Kinder schlechter

Eine Studie von 2017 zeigte, dass Kinder bei Co-Sleeping schlechter schlafen als Kinder im eigenen Zimmer. Kinder, die früher im eigenen Zimmer schliefen, konnten auch durchschnittlich besser schlafen.

In der Studie wurden das Schlafverhalten im Alter von 4 und 9 Monaten ermittelt. Kinder, die mit 4 Monaten im eigenen Zimmer waren, schliefen bis zu 46 Minuten länger, als Kinder, die noch im Raum der Eltern schliefen.

Im Alter von 9 Monaten schliefen Kinder, die früh allein schliefen, durchschnittlich 40 Minuten länger, als Kinder, die noch im Zimmer der Eltern schliefen. Im Vergleich zu Kindern, die später ins eigene Bett übersiedelten, betrug der Unterschied immerhin noch 26 Minuten.

Im eigenen Zimmer schlafen Kinder besser

Im eigenen Zimmer erhalten Kinder besseren und längeren Schlaf.

Guter Schlaf ist wichtig für die Entwicklung unserer Kinder. Hier ist zu beachten, dass unsere Kinder auch beim Co-Sleeping ausreichend Schlaf erhalten. Hier ist es hauptsächlich wichtig, dass wir Eltern nicht zur gleichen Zeit ins Schlafzimmer „übersiedeln“ wie unsere Kinder. Getrennte Schlafenszeiten sind hier besonders sinnvoll. Vor allem, um Ablenkung beim Einschlafen und Lärm zu minimieren. Detaillierte Informationen zu dem empfohlenen Schlafbedarf können Sie in diesem Artikel nachlesen.

Durch Co-Sleeping werden Kinder nicht „verzogen“

In einer Studie von 2011 konnte gezeigt werden, dass durch Co-Sleeping Kinder keine Auffälligkeiten im Verhalten und Entwicklung gegenüber anderen Kindern zeigten. In der Studie wurden die Schlafverhalten und sozialen Umstände ermittelt. Im Alter von 5 Jahren konnten keine signifikanten Unterschiede in der Entwicklung festgestellt werden.

Co-Sleeping hat keine Auswirkung auf die psychische Entwicklung Ihres Kindes

Durch das Co-Sleeping werden Ihre Kinder nicht zu „Muttersöhnchen“. Sie entwickeln sich genauso wie Kinder im eigenen Zimmer zu selbstständigen Personen.

Co-Sleeping wirkt sich positiv auf die Bindung aus

Natürlich hat das Co-Sleeping positive Auswirkungen auf die Bindung zu Ihrem Kind. Durch die Nähe zu den Eltern kann leichter eine sichere Bindung aufgebaut werden.

Das ist besonders in den ersten Monaten wichtig, da das Baby hier den Körperkontakt zu den Eltern noch dringend benötigt. Je häufiger wir unseren Kindern diesen ermöglichen, umso besser ist das für die Bindung.

Co-Sleeping ist gut für die sichere Bindung

Das trifft vorwiegend auf die ersten Monate zu.

Nach 6 Monaten sollte die Bindung zu unseren Kindern bereits sicher genug sein, dass dieser Vorteil nicht noch stärker ausgeprägt wird. 

Die Bindung kann später auf andere Weisen optimal gestärkt werden. Tipps hierfür finden Sie unter meinem Artikel zur sicheren Bindung.

Das Kind lernt im eigenen Zimmer sich selbst zu beruhigen

Wenn unsere Kinder im eigenen Zimmer schlafen, lernen sie sich selbst zu beruhigen. Da die Eltern nicht in unmittelbarer Nähe sind, lernen die Kinder von sich aus, sich zu beruhigen. 

Je früher das geschieht, umso schneller und einfacher geht das. Kinder sind ab dem 6 Monat reif genug, um getrennt von den Eltern zu schlafen. Diese Entwicklung kann genutzt werden.

Kinder lernen im eigenen Zimmer sich selbst zu beruhigen

Ab dem 6 Monat sind Kinder reif genug, um allein zu schlafen.

Die Übersiedlung ist früher einfacher

Je früher Ihr Kind ins eigene Zimmer wechselt, umso einfacher wird die Umgewöhnung. Natürlich ist bei der Gewöhnung ans neue Zimmer ein schrittweises Vorgehen wichtig. Das bedeutet, dass wir Eltern am Anfang natürlich beim Kind bleiben, bis es eingeschlafen ist.

Mit der Zeit können wir dem Kind dann zumuten, allein einzuschlafen. Hier gehen wir natürlich auch schrittweise vor. Bevor das Kind einschläft, gehen wir aus dem Zimmer und kommen kurz darauf wieder zurück. Allerdings nur, wenn Ihr Kind bereit dazu ist. Also wenn es schon sehr schläfrig ist, satt und zufrieden.

So lernt unser Kind, dass wir wieder kommen und es nicht allein ist.

Wenn Kinder lange Zeit im Zimmer der Eltern geschlafen haben, ist eine Übersiedlung nicht so einfach. Das Kind ist einfach zu sehr an das elterliche Umfeld gewöhnt und hat dadurch größere Schwierigkeiten, allein zu schlafen.

Kinder gewöhnen sich später schlechter ans eigene Zimmer.

Je später das Kind ins eigene Zimmer umzieht, umso schwieriger gewöhnt es sich an die neue Situation.

Je nachdem, wie lange Kinder im Zimmer der Eltern schlafen, wäre es zu überlegen, ob man generell darauf wartet, bis das Kind ein eigenes Zimmer will. Dieses Verlangen tritt im Allgemeinen rund um das Volksschulalter ein.

Eltern schlafen tiefer ohne Kind im Zimmer

Ein nicht ganz unwesentlicher Punkt ist natürlich, dass wir Eltern erholsamer schlafen, wenn keine Kinder um und auf uns schlafen. Indirekt ist das auch förderlich für unsere Kinder. Denn, wenn wir Eltern ausgeschlafen sind, dann können wir auch mehr Geduld für unsere Kleinen aufbringen.

Auch die Intimität leidet natürlich im Familienbett über Jahre. Da ist Fantasie gefragt, aber vor allem auch die Meinung unseres Partners darf bei der Entscheidung für ein Familienbett nicht übergangen werden.

Fazit

Natürlich müssen Eltern selbst entscheiden, was für Ihre Kinder und sie selbst am besten ist. Wichtig ist jedoch, dass alle notwendigen Informationen für eine fundierte Entscheidung vorliegen.

Auf Basis der oben genannten Punkte können Sie für sich entscheiden, was für Sie und Ihr Kind der beste Zeitpunkt für die Trennung der Schlafräume ist. 

Ihr psychologischer Ratgeber in Familien- und Beziehungssachen.
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